14.06.2013

Prüfung von Sicherheitsschränken

Brennbare Gasflaschen, Flüssigkeiten oder Chemikalien können in einem Labor, Krankenhaus oder Industriebetrieb nicht einfach in einem beliebigen Regal aufbewahrt werden. Solche Gefahrstoffe bilden für den Brandschutz ein erhöhtes Sicherheitsrisiko und gehören daher in spezielle Gefahrstoffschränke. Diese sollen verhindern, dass die deponierten Stoffe im Brandfall die Ausbreitung des Feuers beschleunigen oder gar eine Explosion bewirken. Der Gefahrstoffschrank ermöglicht den Mitarbeitern ausreichend Zeit, den Raum zu verlassen. Außerdem verschafft der Sicherheitsschrank der Feuerwehr genügend Zeit den Brand zu löschen, bevor er unkontrollierbar wird. Alle Funktionen und Sicherheitseinrichtungen des Gefahrstoffschrankes müssen jederzeit mängelfrei sein und verlässlich funktionieren. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Vorschriften und Gesetze, die eine regelmäßige Prüfung von Sicherheitsschränken vorschreiben.

 

Gesetzliche Vorschriften

 
Die Prüfung von Sicherheitsschränken wird durch Normen, Gesetze und Vorschriften geregelt. Zu beachten sind vor allem folgende Regelungen:

  • Europäische Norm DIN EN 14470, Feuerwiderstandsfähige Lagerschränke, Teil 1 und 2
  • Arbeitsstättenverordnung ArbStättV §4 Abs. 3
  • Technische Regeln TRbF 20 – Läger
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

Die DIN EN 14470 „Sicherheitsschränke für brennbare Flüssigkeiten“ existiert seit 2004 und wurde 2006 mit einem zweiten Teil „Sicherheitsschränke für Druckgasflaschen“ ergänzt. Die Norm soll die unterschiedlichen Sicherheitsbestimmungen in verschiedenen Ländern vereinheitlichen und ist somit für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtend. Die anderen Verordnungen und Regelungen befassen sich nur teilweise mit dem Betrieb von Sicherheitsschränken. Die jeweiligen Paragraphen, Anhänge und Abschnitte enthalten Informationen zum Aufbau, Prüfverfahren und Betrieb von Gefahrstoffschränken sowie Maßnahmen zum Brandschutz.

 

Aufbau – Betrieb – Funktion

 
Die Norm EN 14470-1 legt vier Typen der Feuerwiderstandsfähigkeit fest:

  • Typ 15 = 15 Minuten
  • Typ 30 = 30 Minuten
  • Typ 60 = 60 Minuten
  • Typ 90 = 90 Minuten

Sicherheitsschränke, die einem Feuer nur mindestens 15 Minuten standhalten (Typ 15) sind in Deutschland allerding gar nicht zugelassen. Die Klassifizierungen Typ 30 und Typ 60 dürfen ebenfalls nur eingeschränkt zum Einsatz kommen. Deshalb gelten Sicherheitsschränke mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit von ? 90 Minuten (Typ 90) in Deutschland als Stand der Technik. In einigen anderen europäischen Ländern können aufgrund fehlender Gesetzgebung alle Typen verwendet werden.

 
Die Pflege und ordnungsgemäße Handhabung von Gefahrstoffschränken liegt in der Verantwortung des Betreibers. Dabei ist die Beachtung der Sicherheitsanforderungen für alle Nutzer und Mitarbeiter obligatorisch. Die Aufstellung eines Sicherheitsschrankes erfolgt in erster Linie zum Schutz der Beschäftigten und Dritter vor sich ausbreitenden Bränden oder Explosionen.

 
Der Aufbau von Sicherheitsschränken wird durch die Europäische Norm EN 14470 geregelt. Dieser zu Folge besteht die Konstruktion immer aus einem Innenkorpus, einer Brandschutzisolierung, Zu- und Abluftventilen mit Schmelzsicherung, einem Selbstschließmechanismus der Türen im Brandfall, Brandschutzdichtungen sowie in manchen Fällen einem Erdungsanschluss. Des Weiteren wird am Boden des Schrankes eine Wanne angebracht, die auslaufende Flüssigkeiten auffängt und somit gefährliche Leckagen verhindert.

 
Sicherheitsschränke für brennbare Flüssigkeiten sind in verschiedenen Größen und Feuerwiderstandsklassen erhältlich. Auch die Tür- und Schließsysteme variieren von Modell zu Modell. Egal ob Falt- oder Flügeltür, nach EN 14470-1 müssen Gefahrstoffschränke einen integrierten Selbstschließmechanismus besitzen. Es gibt, je nach den bestehenden Betriebsbedingungen, die Möglichkeit eine Türfeststellanlage zu montieren. Auf diese Weise bleibt der Gefahrstoffschrank während der Arbeit geöffnet, so dass die Entnahme und Bedienung erleichtert wird. In diesem Fall muss die Tür eine sogenannte thermische Auslösung, ab einer Temperatur von maximal 50 °C, vorweisen. Ab dieser Temperatur schließt sich die Tür des Gefahrstoffschrankes automatisch und selbstständig. Die thermische Auslösung wird durch ein Temperaturauslöseelement, ein Schmelzlot, ermöglicht. Dieses muss in einem Bereich mit freier Luftzirkulation angebracht sein, damit es sich im Brandfall schnell erwärmen kann. Bevor sich die Türen schließen, werden ab einer Temperatur von 50°C auch alle Schubladenzüge automatisch geschlossen. Erwärmt sich die Umgebung auf 160°C treten Brandschutzdichtungen aus und versiegeln die Fugen an den Türen.

 
Sicherheitsschränke für Druckgasflaschen haben nach DIN EN 14470-2 keine automatische Türschließung, da diese im täglichen Betrieb grundsätzlich geschlossen sein sollen.

 
Auslaufende brennbare Flüssigkeiten dürfen nicht lange unbemerkt bleiben und müssen schnell beseitigt werden. Mit Hilfe der Auffangwanne am Boden des Sicherheitsschrankes werden Gefahren durch Leckagen verhindert. Die Bodenwanne muss mindestens 10% der Gesamtmenge aller im Schrank gelagerten Behältnisse oder 110% des größten Gefäßes fassen können.

 
Sicherheitsschränke müssen mit einem ständig wirksamen Zu- und Abluftsystem ausgestattet sein. Durch Öffnungen findet pro Stunde mindestens ein 10-facher Luftwechsel statt. So kann sich kein gefährliches Gas-Luft-Gemisch in dem Schrank stauen und ein Austritt von Dämpfen brennbarer Flüssigkeiten in den Arbeitsraum wird vermieden. Auch eine explosive Atmosphäre innerhalb des Schrankes wird somit ausgeschlossen. Die Entlüftung muss unmittelbar über der Auffangwanne am Boden des Sicherheitsschrankes beginnen. Die technische Ablufteinrichtung, an welche die Zu- und Abluftöffnungen angeschlossen werden, muss an einer ungefährlichen Stelle ins Freie münden und dort die Gase freisetzen. Besonders wichtig ist, dass sich die Brandschutzventile in den Zu- und Abluftöffnungen ab einer Temperatur von ca. 70°C automatisch schließen. Dadurch ist der Gefahrstoffschrank hermetisch abgeschlossen und keine brandfördernden Dämpfe können austreten.

 
Ist es auch technischen Gründen nicht möglich ein Entlüftungssystem einzurichten, so wird der Bereich 2,5 m um den Schrank, in einer Höhe von 0,5 m als explosionsgefährlicher Bereich der Zone 2 definiert. Ist eine Lüftung vorhanden, beschränkt sich der explosionsgefährliche Bereich auf das Innere des Schrankes. Ein Sicherheitsschrank ohne technische Abluft muss zumindest an die Erdung angeschlossen werden, um eine elektrostatische Aufladung zu vermeiden.

 
Hat ein Brand stattgefunden, dürfen Sicherheitsschränke nicht ohne Weiteres geöffnet werden. Es muss zuerst sichergestellt sein, dass keine Gefahr mehr besteht. Um kein Risiko einzugehen, sollten die Sicherheitsinformationen und die Betriebsanleitung hinzugezogen werden.

 

Lagerung von brennbaren Flüssigkeiten

 
Brennbare Flüssigkeiten dürfen nicht unbegrenzt in einem Gefahrstoffschrank gelagert werden. Es gelten bestimmte Höchstmengen verschiedener Flüssigkeiten:

 

  • Flüssigkeiten in zerbrechlichen Gefäßen
    • 60 Liter hoch- und leichtentzündliche Flüssigkeiten (Flammpunkt unter 21°C)
    • 200 Liter entzündliche Flüssigkeiten (Flammpunkt von 21°C bis 55°C)
  • Flüssigkeiten in sonstigen Gefäßen
    • 450 Liter hoch- und leichtentzündliche Flüssigkeiten (Flammpunkt unter 21°C)
    • 3000 Liter entzündliche Flüssigkeiten (Flammpunkt von 21°C bis 55°C)
  • Bei Sicherheitsschränken mit einer Feuerwiderstandsfähigkeit kleiner als 90 Minuten beträgt die Höchstmenge 300 Liter, davon dürfen maximal 200 Liter hoch- und leichtentzündliche Flüssigkeiten sein

Nicht geeignet für die Lagerung in Sicherheitsschränken sind selbstentzündliche oder instabile Stoffe, die allein durch ihre Eigenschaften einen Brand oder eine Explosion auslösen könnten. Auch Substanzen, die eine Zündtemperatur unter 100°C haben, gehören nicht in Gefahrstoffschränke. Eine Ausnahme von dieser Regel wird nur durch eine ausreichende Belüftung des Schrankes und einer sicheren Verpackung der zu lagernden Substanz verursacht.

 
Prüfung von Sicherheitsschränken

 
Der Arbeitgeber bzw. Betreiber einer Einrichtung mit Sicherheitsschränken hat die Aufgabe eine geeignete Person mit der Prüfung des Sicherheitsschrankes zu beauftragen. Er muss außerdem sicherstellen, dass der Prüfer die Voraussetzungen erfüllt, die die Betriebssicherheitsverordnung vorgibt. Darunter zählen eine entsprechende Ausbildung sowie Erfahrungen und Fachkenntnisse im Prüfen von Gefahrstoffschränken.

 
Die Prüfung von Sicherheitsschränken beschränkt sich nicht nur auf den extremen Fall eines Brandes und die Verhinderung seiner Ausbreitung. Viel häufiger kommt es im Arbeitsalltag zur Freisetzung gefährlicher Dämpfe oder brennfähige Flüssigkeiten laufen aus. Ein Grund dafür können undichte oder zerbrochene Gefäße sein. Ein gewissenhafter Umgang mit den gefährlichen Substanzen sowie fehlerfrei funktionierende Sicherheitseinrichtungen sind daher ein Muss in Laboren, Industriebetrieben oder ähnlichen Einrichtungen. Bei einer Prüfung müssen daher alle Sicherheitsaspekte des Gefahrstoffschrankes beachtet und überprüft werden.

 
Gefahrstoffschränke zur Lagerung brennbarer Flüssigkeiten sollten mindestens einmal jährlich einer Überprüfung hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit, Funktion und Wirksamkeit unterzogen werden. Neben der mängelfreien Konstruktion und der Feuerwiderstandsdauer sind noch zahlreiche weitere Sicherheitsaspekte zu beurteilen:

  • Optische Sichtkontrolle von außen und von innen, Untersuchung auf sichtbare Schäden wie Beulen oder Kratzer
  • Hörkontrolle, neben bekannten Geräuschen auch neue, ungewöhnliche identifizierbar
  • Türen müssen im Brandfall aus jeder Position heraus automatisch schließen
  • Brandschutzdichtungen müssen im Brandfall selbstständig aufschäumen und den Schrank versiegeln
  • Türen müssen im Brandfall schließen trotz Türfeststellanlage (Funktionsfähigkeit der Thermoauslösung)
  • Einhaltung der vorgeschriebenen Fachlasten von Regalen
  • Vorhandensein und Dichtigkeit der Bodenauffangwanne
  • Überprüfung auf unversehrten  und sauberen Zustan
    • Gesamtes Gehäuse
    • Regalteile
    • Lüftungseinrichtungen
    • Brandschutzventile
    • Brandschutzisolierung
    • Brandschutzdichtungen
    • Scharniere
    • Gewebeschlauch
    • Abluftgitter und Abluftkanal
    • Türschloss
  • Vorhandensein von Bedienungsanleitung und Kennzeichnung
  • Schrank muss gut zugänglich sein
  • Schwenkbereich zur Tür muss frei sein
  • Sicherer Stand des Gefahrstoffschrankes
  • Kennzeichnung des Sicherheitsschrankes mit der zutreffenden Feuerwiderstandsdauer, wenn alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind (Typ Angabe)

Der letzte Punkt in der Liste, die Festlegung der Feuerwiderstandsklasse, wird durch sogenannte Brandkammertests vorgenommen. Dabei wird der Schrank in einer Brandkammer oder einem Brandcontainer aufgestellt und mit Prüfgeräten bestückt. Der Sicherheitsschrank wird gleichmäßig mit Flammen beheizt und alle Änderungen, wie steigende Temperaturen, werden aufgezeichnet und dokumentiert. Anschließend kann die Feuerwiderstandsklasse festgelegt werden.
Der Ablauf und die Ergebnisse der Prüfung sind aufzuzeichnen und ein Protokoll zu erstellen, welches eventuell festgestellte Mängel und die weitere Vorgehensweise beinhaltet. Die Dokumentation der Prüfung sollte aufbewahrt werden.

 

Kennzeichnung des Sicherheitsschrankes

 
Nach der Feststellung bzw. Bestätigung der Feuerwiderstandsklasse des Sicherheitsschrankes, wird dieser vom Prüfer mit einer entsprechenden Kennzeichnung versehen. Der erfolgreich geprüfte Zustand wird in Form einer Prüfplakette verdeutlicht. Die Plakette hat die Aufschrift „Sicherheitsschrank geprüft“ und gibt je nach Bedarf den Monat und das Jahr der nächsten notwendigen Prüfung an. Die Prüfplakette „Sicherheitsschrank geprüft“ sowie den Sicherheitsschrank Typ 90 erhalten Sie in Onlineshop der brewes GmbH.

 

Prüfplakette – Sicherheitsschrank geprüft

 

Sicherheitsschrank Typ 90

2 thoughts on “Prüfung von Sicherheitsschränken


  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    wo kann man die Befähigung erlangen um Gefahrgutschränke prüfen zu dürfen.

    MfG
    T. Bellach


    1. Sehr geehrter Herr Bellach,

      vielen Dank für Ihre Anfrage.
      Es gibt verschiedenen private Schulungsanbieter und Akademien, bei denen man Seminare deutschlandweit buchen kann. Darüber hinaus können Sie sich auch bei Ihre IHK oder evtl. auch der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung oder Ihrer Berufsgenossenschaft informieren. Diese können Ihnen meist auch Anbieter empfehlen oder bieten teilweise sogar selbst Seminare an.
      Auch gibt es Weiterbildungsdatenbanken, wie die der Agentur für Arbeit oder der WIS bei denen man direkt nach bestimmten Weiterbildungen suchen kann. In Ihrem Fall ein Seminar für Befähigte Person zu Prüfung von Gefahrstoffschränken: http://wis.ihk.de/seminar-kurs/ohs3-befaehigte-person-zu-pruefung-von-gefahrstoffschraenken.html

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