22.10.2013

Prüfung von Pflegebetten

Pflegebedürftige und behinderte Menschen sind auf Hilfe aus ihrer Umgebung angewiesen. Neben der Betreuung durch Pflegepersonal oder Familienmitgliedern, entsprechenden Medikamenten und Behandlungen, spielt auch so etwas Grundlegendes wie das Pflegebett eine entscheidende Rolle. Denn oftmals ist das Bett der Ort an dem sich die pflegebedürftige Person einen Großteil der Tages- und natürlich auch Nachtzeit befindet. Umso schlimmer ist es, wenn das Pflegebett technische, elektrische oder Sicherheitsmängel aufweist, die für die ohnehin schon körperlich beeinträchtigte Person eine Gefahr darstellen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Zwischenfällen in Bezug auf Pflegebetten, von denen ein Großteil sogar tödlich endete. Die Gründe dafür liegen in konstruktiven Mängeln, die durch Alterung, Überhitzung, mechanische Einwirkungen oder Feuchtigkeit im Bereich des elektrischen Antriebssystems von Pflegebetten auftreten. Ein auf diese Weise ausgelöstes Feuer kann zum Ersticken oder Verbrennen des Patienten führen. Viele Unfälle passieren auch, wenn die sicherheitstechnischen Maße bei der Konstruktion nicht eingehalten werden. Viele Unfallopfer klemmen sich Gliedmaßen und in schlimmeren Fällen Kopf oder Rumpf in den Seitengittern ein. Die häufigsten Gründe für Unfälle im Zusammenhang mit elektrisch betriebenen Pflegebetten sind:

  • Fehler bei der Herstellung oder Konstruktion
  • Feuchtigkeit im elektrischen Antriebssystem
  • Fehlerhafte Handhabung
  • Fehlerhafte Installation am Einsatzort
  • Komptabilitätsprobleme von Zubehör und Ersatzteilen
  • Fehlende oder unzureichende Wartung und Instandhaltung

Die zahlreichen Fehlerquellen bei der Konstruktion, Benutzung und Wartung von Pflegebetten lassen sich oft auf Unwissenheit bei den Verantwortlichen Personen zurückführen. Sowohl Hersteller von Pflegebetten als auch Betreiber von Pflegeheimen sind sich der hohen und speziellen Anforderungen nicht bewusst. Um das Risiko von Unfällen zu vermindern, existieren zahlreiche Empfehlungen, Anleitungen aber auch Gesetze und Vorschriften, die sich mit dem Thema Pflegebetten befassen.

 
Gesetze und Vorschriften

 
Pflegebetten zählen zu Medizinprodukten, unabhängig von Alter und Zustand des Bettes. Medizinprodukte unterliegen den Anforderungen des Medizinproduktegesetzes (MPG) und müssen die gesetzlichen Anforderungen zur Sicherheit und Wirksamkeit einhalten. Elektrisch betriebene Pflegebetten gelten außerdem als elektrische Betriebsmittel, wodurch auch die Regelungen der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) sowie der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift BGV A3 (Elektrische Anlagen und Betriebsmittel) beachtet werden müssen. Für die Prüfungen von Pflegebetten sind zusammenfassend folgende Normen und Vorschriften erforderlich:

  • DIN VDE 0702: Wiederholungsprüfungen elektrischer Geräte
  • DIN VDE 0751-1:2001-10: Wiederholungsprüfungen und Prüfungen vor der Inbetriebnahme von medizinischen elektrischen Geräten
  • DIN VDE 0701-0701
  • BGV A3 bzw. GUV-V A3 Berufsgenossenschaftliche Vorschrift – Elektrische Anlagen und Betriebsmittel
  • DIN EN 60601-1 – Medizinisch elektrische Geräte
  • Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV)
  • Medizinproduktgesetz (MPG)
  • DIN EN 1970:2000 – Pflegebetten für behinderte Menschen
  • Seitengitterprüfung
  • Empfehlungen zur Risikoreduzierung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Technische Regeln zur Betriebssicherheit (TRBS)
  • Verordnung über Medizinprodukte
  • Vorgaben der Obersten Landesbehörden
  • DIN EN 60601-2-38/A1 – Krankenhausbetten
  • Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG)

Über diese große Anzahl von Normen den Überblick zu behalten und aus den Gesetzestexten die richtige Umsetzung herauszufiltern kann ein Problem darstellen. Viele Hersteller haben ihre Produktion bereits den Sicherheitsmaßnahmen angepasst und beispielweise einen Feuchtigkeitsschutz bei den Pflegebetten integriert. Auch zugehörige Bauteile zum Nachrüsten sind erhältlich, um Komptabilitätsprobleme zu vermeiden. Die sicherheitstechnisch einwandfreie Herstellung ist der erste Schritt, auf den die richtige Aufstellung, Benutzung und vor allem eine regelmäßige Überprüfung der Pflegebetten folgen muss.

 
Aufstellung und Anwendung von Pflegebetten

 
Beim Aufstellen und Anwenden von Pflegebetten gilt folgender Leitsatz: „Es ist verboten, Medizinprodukte in den Verkehr zu bringen, zu errichten, in Betrieb zu nehmen, zu betreiben oder anzuwenden, wenn der begründete Verdacht besteht, dass sie die Sicherheit und die Gesundheit der Patienten über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaften vertretbares Maß hinausgehend gefährden.“

 
Es liegt in der Verantwortung des Lieferanten bei der Auslieferung des Pflegebettes bereits erste Überprüfungen durchzuführen. Das Bett darf bei der Inbetriebnahme keine sicherheitstechnischen Mängel aufweisen. Alle Voraussetzungen der Montage müssen erfüllt sein, besonders wenn Betten im privaten Bereich neu installiert werden. Dort ist der Betreiber, der meistens auch gleichzeitig der Benutzer ist, selbst für den Zustand des Bettes verantwortlich. Regelmäßige Prüfungen sind für Privathaushalte nicht gesetzlich vorgeschrieben aber dennoch empfehlenswert. Umso wichtiger ist hier die fehlerfreie Installation und Inbetriebnahme. In Alten- und Pflegeheimen liegt die Verantwortung in den meisten Fällen bei der Pflegeeinrichtung. Für beide Bereiche gilt, dass das Pflegebett vor der erstmaligen Benutzung durch den Patienten einer Sichtprüfung am Betriebsort unterzogen werden muss. Damit wird sichergestellt, dass durch den Transport kein Schaden am Bett entstanden ist. Auch eine Einweisung über die Benutzung des Pflegebettes sollte mit mindestens einer Person stattgefunden haben. Diese ist dann in der Lage auch weitere Mitarbeiter und Anwender einzuweisen. Um ein Grundwissen bei allen Mitarbeitern zu erreichen, eignen sich Unterweisungsaushänge besonders gut. Im Zweifelsfall können benötigte Informationen dann nachgelesen werden.

 
Verpflichtungen der Pflegeeinrichtung und des Personals

 
Die Anwender von Pflegebetten, somit das Pflegepersonal, haben die Pflicht den Zustand der Pflegebetten stets im Auge zu behalten. Es dürfen beispielsweise keine Kabel geknickt sein oder lose auf dem Boden liegen. Elektrisch verstellbare Betten benötigen viel Platz um alle Einstellungsvarianten zu ermöglichen. Möbel oder Wände dürfen diesen Spielraum nicht behindern. Die Elektrik, Schalter und Kabel der Pflegebetten sollten unter keinen Umständen mit Nässe oder Flüssigkeiten in Kontakt kommen. Außerdem ist es laut § 9 MPBetriebV vorgeschrieben, dass stets eine Betriebsanleitung zu Verfügung stehen muss. Die Gebrauchsanweisung muss in schriftlicher Form vorliegen und frei für alle Anwender und Mitarbeiter zugänglich sein.

 
Sprechen Anzeichen für eine Beschädigung des Bettes oder dessen Elektrik, ist es vom Stromnetz zu trennen und umgehend ein sachkundiger Mitarbeiter zu informieren. Dies kann die in der Einrichtung tätige verantwortliche Elektrofachkraft oder der Einrichtungsverantwortliche sein, der eine Elektrofachkraft beauftragt. Eine normgerechte Überprüfung oder gar Reparatur kann nicht von einem Mitarbeiter des Pflegepersonals durchgeführt werden, da diese nicht die entsprechende Qualifikation und Erfahrung besitzt. Dennoch müssen die Pfleger und Pflegerinnen handeln, sobald sie einen Schaden am Pflegebett bemerken. Besteht für die gepflegte Person eine Gefahr durch den festgestellten Mangel, muss das Bett der Benutzung entzogen werden.

 
Damit das Pflegepersonal sofort nach Entdecken eines Schadens Hilfe bekommt, muss entweder eine sachkundige Person in der Einrichtung zur Verfügung stehen oder zumindest immer erreichbar sein. In Altenheimen oder Pflegeeinrichtungen, die sehr viele Patienten und somit auch sehr viele Pflegebetten haben, lohnt sich der Einsatz einer verantwortlichen Elektrofachkraft. Diese befindet sich ausschließlich in der einen Einrichtung und ist verantwortlich für alle Pflegebetten und im Idealfall auch für alle anderen medizinischen elektrischen Geräte und Anlagen. Die Elektrofachkraft reagiert dann nicht nur im Schadensfall, sondern führt auch alle notwendigen regelmäßigen Prüfungen, unter Beachtung der entsprechenden Normen, durch.

 
Verantwortliche Elektrofachkraft/Prüfer von Pflegebetten

 
Um Gefährdungen durch Verschleiß, unsachgemäße Anwendung oder Mängel an Pflegebetten zu vermeiden, schreiben unter anderem das Medizinproduktgesetz (MPG) oder die Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV) wiederkehrende Prüfungen durch entsprechendes Fachpersonal vor. In den Normen finden sich jedoch nicht nur Vorschriften zur Prüfung, sondern auch zum Prüfer selbst. Nur Personen, die die Voraussetzungen nach §4 MPBetreibV erfüllen, dürfen wiederkehrende Prüfungen an Pflegebetten durchführen. Zu diesen Voraussetzungen gehören eine Ausbildung, praktische Tätigkeiten und Erfahrungen im Bereich der Prüfung von Medizinprodukten, speziell von Pflegebetten. Die Erfahrungen und Kenntnisse müssen insoweit vorhanden sein, dass die Person den sicherheitstechnischen und elektrotechnischen Zustand des Pflegebettes beurteilen kann. Außerdem darf der Prüfer hinsichtlich seiner Prüftätigkeit keiner Weisung unterliegen, das heißt er muss völlig unabhängig von finanziellen oder unternehmensinternen Interessen das Pflegebett prüfen. Eine weitere Voraussetzung, die der Prüfer erfüllen muss, ist im Besitz geeigneter Mess- und Prüfeinrichtungen zu sein. Die Verantwortung für die richtige Auswahl des Prüfers und die korrekte Durchführung der Prüfung liegt beim Betreiber des Pflegebettes. Bevor der Auftrag an eine Fachkraft erteilt wird, sollte eine schriftliche Bestätigung angefordert werden, dass alle festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind.

 
Prüfung von Pflegebetten

 
Um Risiken im Umgang mit Pflegebetten nicht nur für Patienten sondern auch für Beschäftigte, Anwender oder Dritte zu vermeiden, müssen regelmäßige Prüfungen an den Medizinprodukten stattfinden. Die Kontrollen müssen nach den Vorgaben des Herstellers, den geltenden Gesetzen und Normen sowie den allgemein anerkannten Regeln der Technik durchgeführt werden. Dabei sind die vorgegebenen Fristen einzuhalten. Die Prüfabstände können sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, sie sollten allerdings stets so bemessen sein, dass Mängel, mit denen gerechnet wird, rechtzeitig festgestellt und behoben werden können. Neben den Prüfungen in regelmäßigen Zeitabständen ist das Pflegebett auch vor der ersten Inbetriebnahme zu prüfen.

 
Laut der Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ und der Medizinprodukte Betreiberverordnung spielt es keine Rolle ob sich das Bett in einem medizinisch genutzten Raum befindet oder nicht. Pflegebetten sind in jedem Fall als medizinisches elektrisches Gerät zu behandeln und demnach zu prüfen.

 
Das Pflegepersonal sollte beim Prüfablauf nicht außen vor gelassen, sondern in die Organisation, den Ablauf und die Durchführung einbezogen werden. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass das Pflegepersonal eine gewisse Kompetenz entwickelt, die sie bei der täglichen Arbeit anwenden kann. Die Mitarbeiter werden bei der täglichen Sichtkontrolle sensibler und erkennen äußerliche Mängel schneller. Es gehört zu den Pflichten des Pflegepersonals mindestens wöchentlich, nach jeder Standortänderung, bei Hinweisen der gepflegten Person auf Unregelmäßigkeiten oder bei besonderen Ereignissen, wie Feuchtigkeit oder extreme Beanspruchung des Bettes, eine zusätzliche Erprobung durchzuführen. Dabei sind alle mechanischen Teile und die Elektrik inklusive dem Antrieb, den Steckern und Leitungen zu besichtigen. Sollten bei diesen Überprüfungen weitere schwerwiegende Mängel diagnostiziert werden, muss das Pflegebett sofort stillgelegt werden, beispielsweise durch die bereits erwähnte Trennung vom Stromnetz. In jedem Fall ist die zuständige Elektrofachkraft oder der Verantwortliche Leiter der Pflegeeinrichtung über den Zustand des Pflegebettes in Kenntnis zu setzen, damit weitere Maßnahmen, wie die Wartung, Instandsetzung oder Prüfung, getroffen werden können.

 
Ein Pflegebett, bei welchem die pflegende Person gewechselt oder welches in eine andere Station gebracht wird und sich somit das zuständige Pflegepersonal ändert, muss einer vollständigen Prüfung unterzogen werden. Dies gilt auch nach jeder Reinigung. In regelmäßigen Abständen, mindestens vierteljährlich, ist das Pflegebett durch die verantwortliche Elektrofachkraft zu warten. Auf die Wartung folgt dann eine Prüfung durch den befähigten Prüfer.

 
Für die Praxis enthalten die DIN VDE 0751-1 sowie die MPBetreibV genaue Hinweise, welche Schritte bei einer Überprüfung von Pflegebetten vorzunehmen sind:

  • Sichtprüfung: Kontrolle auf sichtbare Beschädigungen, Verschleißerscheinungen, Pflegezustand, Vorhandensein der Prüfplakette; außerdem Überprüfung von Kabelisolierungen, Kabelführung, Seitengitter, Netzstecker, Hydraulik, Auflagen, Sicherungen
  • Elektrische Messungen nach DIN VDE 0751: Ableitströme, Schutzleiter, Isolationswiderstand; Nutzung geeigneter Prüfeinrichtungen
  • Funktionsprüfung: Prüfung von Bremsen, Steuerung, Verstelleinrichtungen, Endabschaltung, Verstellbarkeit/Einrasten der Seitengitter
  • Dokumentation: schriftliches Festhalten von Messverfahren, Ergebnissen und Datum der Prüfung, Seriennummer des Pflegebettes, Name des Prüfers, Stempel und Unterschrift
  • Kennzeichnung: Versehen des Pflegebettes mit Prüfplakette, gibt den nächsten Prüftermin an

Ein besonders wichtiger Punkt bei der Prüfung von Pflegebetten ist die elektrische Sicherheit. Hierfür ist es empfehlenswert nach einer Checkliste vorzugehen, um keinen der Prüfschritte zu versäumen:

  • Netzanschlusskabel muss ein EPR-Kabel sein (Ethylen-Propylen-Polymere), diese sind besonders widerstandsfähig gegen Kabelbruch; ist es kein EPR-Kabel muss es eines mit mindestens vergleichbarer Qualität sein
  • Sichere Verlegung aller elektrischen Verbindungsleitungen, um Quetschungen, Scherungen oder sonstige mechanische Schädigungen zu vermeiden
  • Hinreichende Zugentlastung und Knickschutz an der Netzanschlussleitung muss vorhanden sein
  • Das Antriebssystem muss vor von oben eindringenden Flüssigkeiten geschützt sein, entweder durch die Feuchtigkeitsschutzklasse IP X4 oder einem Tropfschutz

Können diese ersten vier Anforderungen nicht nachgewiesen werden, ist eine Umrüstung des Pflegebettes notwendig. Der Betrieb des Bettes ist in der Zeit der Nachrüstung einzuschränken. Nur bei elektrischen Einstellungen etwa sollte es an das Stromnetz angeschlossen werden. Ein Betrieb während der Umrüstungszeit ist nur erlaubt, wenn die Antriebssysteme täglich einer Sichtprüfung durch eine Elektrofachkraft unterzogen werden. Zur Gewährleistung der elektrischen Sicherheit des Pflegebettes, sollten noch drei weitere Prüfschritte vorgenommen werden:

  • Beim Transport des Bettes darf die Netzanschlussleitung nicht auf den Boden fallen und überrollt werden, deshalb muss eine Vorrichtung vorhanden sein, die das verhindert
  • Umfassende Beschreibung aller Wartungs- und Pflegemaßnahmen (hier reicht nicht ein Hinweis auf Normen)
  • Überprüfung der Primärsicherung am Transformator (ist diese nicht vorhanden oder defekt, ist eine Nachrüstung zu empfehlen)

Weitere Fehler und Schäden, die an Pflegebetten auftreten können und deshalb ebenfalls Teil der Überprüfung sein sollten, sind:

  • Knickschutz oder Zugentlastung fehlen oder sind defekt
  • Beschädigung des Gehäuses der Steuerungseinheit/des Motors
  • Gehäuse der Fernbedienung ist defekt
  • Seitengitterholme sind defekt
  • Lattenrost ist defekt
  • Hubzylinder bzw. Gasfedern sind defekt
  • Verwendung einer ungeeigneten Matratze
  • Endlagenabschaltung ist defekt
  • Notabsenkung ist defekt
  • Einrastung der Seitengitter ist defekt

Besonderes Augenmerk liegt bei der Prüfung von Pflegebetten auf dem letzten Punkt dieser Aufzählung, den Seitengittern. Da viele Unfälle durch Quetschungen und Einklemmen an Seitengittern zu Stande kamen, müssen alle Maße und Abstände, unter Berücksichtigung der zu erwartenden mechanischen Belastung, genau stimmen. Aus diesem Grund sind regelmäßige Überprüfungen an den Seitengittern durch eine befähigte Elektrofachkraft unbedingt notwendig. Auch die volle Funktionsfähigkeit, das heißt alle Einrastungen und Befestigungselemente der Seitengitter, müssen überprüft und beurteilt werden.

 
Die Prüfung beinhaltet folgende Schritte:

  • Abstände zwischen den beweglichen Teilen müssen innerhalb der normalen Fingerreichweite liegen
  • Überprüfung der Aufhängungen und Verriegelungen auf Schäden oder Verschleiß
  • Verriegelungsmechanismus der Seitengitter muss funktionieren
  • Überprüfung auf weitere Beschädigungen, Schwachstellen, Anzeichen für Überbeanspruchung
  • Einhaltung der vorgegebenen Seitengittermaße; Überprüfung von:
  • Abstand zwischen Seitengittern in aufgerichteter Position und Elementen in deren Umfeld
  • Dicke der Matratze entspricht vorgesehener Benutzung und Herstellervorgaben
  • Richtige Höhe der Oberkante des Seitengitters über die Matratze (ohne Kompression)
  • Richtiger Abstand zwischen Kopf-/Fußteil  und Seitengitter
  • Richtiger Anstand zwischen geteilten Seitengittern und Liegefläche in flacher Lage
  • Kleinste Abmessung aller zugänglichen Öffnungen zwischen Seitengitter und Liegefläche darf nicht überschritten werden
  • Maße der Gesamtlänge des Seitengitters oder Summe aller Längen der geteilten Seitengitter auf einer Seite des Pflegebetten müssen stimmen

All diese Abstände und Maße sind genauesten vorgegeben und dürfen nicht mehr als um 10% überschritten werden. Im Falle einer Überschreitung des Toleranzbereiches dürfen die Betten bis zur Beseitigung der Mängel oder der entsprechenden Nachrüstung nicht verwendet werden. Bei einer Überschreitung der Maße unter 10% können sich vor allem untergewichtige und kleine Patienten durch Quetschungen oder gar Hindurchrutschen Verletzungen zuziehen. Der Gebrauch der Pflegebetten durch zierliche Personen sollte demnach entweder vermieden oder weitere Schutzmaßnahmen getroffen werden.

 
Dokumentation und Kennzeichnung

 
Alle Informationen und Prüfungsergebnisse zu Pflegebetten müssen umfassend dokumentiert werden. In erster Linie hat der Betreiber die Pflicht über alle Medizinprodukte ein Bestandsverzeichnis zu führen. Dieses Schriftstück hat folgende Informationen zu enthalten:

  • Betriebliche Identifikationsnummer
  • Name/Firmenname des Herstellers
  • Bezeichnung, Seriennummer, Anschaffungsjahr des Medizinproduktes, in diesem Fall des Pflegebettes
  • Kennnummer der CE-Kennzeichnung
  • Betriebliche Zuordnung
  • Standort
  • Fristen für wiederkehrende Prüfungen

Das Führen eines Medizinproduktebuches ist bei Pflegebetten nicht notwendig, da dies nur für Medizinprodukte nach §7 MPBetriebV gilt.
Natürlich können noch weitere Informationen festgehalten, Prüfprotokolle, Geräte- oder Mängellisten angefertigt werden, die von Bedeutung sind. Der letzte aber trotzdem sehr wichtige Schritt bei der Überprüfung von Pflegebetten ist die Anbringung einer entsprechenden Prüfplakette. Hierfür eignen sich die Plaketten „Medizintechnik Geprüft nach BGV A3“ oder „Geprüft nach MPG“. Die Prüfplaketten lassen sich ganz einfach auf das Bett kleben und geben dort gut sichtbar Aufschluss darüber, in welchem Jahr und Monat die nächste Prüfung an dem Pflegebett stattzufinden hat.

 

Prüfplakette – Medizintechnik Geprüft nach BGV A3

 

Prüfplakette – Geprüft nach MPG

4 thoughts on “Prüfung von Pflegebetten


  1. Ich bin keine Elektrofachkraft, aber habe die Ausbildung beim Tüv Saarland
    als Elektrotechnisch unterwiesenen Person abgeschlossen,
    Schwerpunkt Wiederkehrende Prüfung von Pflegebetten BGV A2 .
    Kann ich auch auserhalb unserer Einrichtung (Altenheim) Pflegebetten prüfen ?

    mit freundlichen Grüßen


    1. Lieber Herr Müller,
      bitte erkundigen Sie sich beim TÜV Saarland, welche Prüfungen im Rahmen Ihrer Ausbildung erlaubt sind.
      Mit freundlichen Grüßen


    2. Hallo, ich weiß nicht ob ich hier bei der richtigen Adresse bin, hoffe aber mir kann jemand weiterhelfen.
      Nach dem Medizinproduktegesetz (MPG) gibt es die Norm: 22 cm! Geringer darf der Abstand zwischen obersten Punkt der Matratze und des Bettgitters nicht sein.
      Klingt erstmal ganz logisch, da gewährleistet werden sollte, dass die liegende Person nicht aus dem Bett fällt. Bei allen Pflegebetten die ich angeschaut habe stimmt das Maß genau solange die Originale Matratze mit mindestens 13 cm Dicke eingelegt ist.
      Jetzt gibt es aber Personen die einem Dekubitusrisiko ausgesetzt sind. Diese bekommen die Antidekubitusmatraze meist von der Krankenkasse gestellt. Diese sind eigentlich immer dicker als 13 cm, somit ist die DIN Norm nichtmehr umsetzbar.
      Eine gute Wechseldruckmatratze ist immer dicker wie 13 cm!
      Meine Frage ist nun:
      1.) Trifft diese Regelung für alle Betten zu, egal ob die zutreffende Person Dekubitus gefährdet ist?
      2.) Was ist wenn die Person voll orientiert ist und gar kein Bettgitter benötigt? Oder die Person gar nicht rausfallen kann, weil die nötige Eigenbewegung komplett fehlt?
      3.) Gibt es eine Ausnahmeregelung für Dekubitusmatratzen oder Betten älteren Jahrgängen?
      Ich kann nicht glauben das die Pflegeheime sich neue Betten oder Matratzen anschaffen müssen, nur um eine DIN zu erfüllen die nicht bei allen Liegenden sinn macht. Es ist doch eh kein Geld da für die Pflege! Wie soll das nur weitergehen? Selbstverständlich ist es das bei desorientierten Personen ein Sicherheitsabstand zur Oberkante gehalten wird. Wenn das Bettgitter nicht gebraucht wird, macht es eher den Eindruck hier wird an der falschen Stelle das Geld rausgehauen. LG Simon


      1. Lieber Herr Simon,
        wir möchten Sie bitten, sich mit Ihrem Anliegen direkt an das Deutsche Institut für Normung zu wenden.
        Mit freundlichen Grüßen

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