01.08.2013

Prüfung von Flurförderzeugen nach § 37 BGV D27

Der Einsatz von Gabelstaplern kann die Arbeit in einem Betrieb zu einem großen Teil erleichtern und vor allem neue Möglichkeiten in der Lagerung schaffen. Besonders beim Transport von Paletten und darauf gelagerte Güter sind Flurförderzeuge ein sehr wertvolles Hilfsmittel. Der Betrieb eines Lagersystems mit Hochregalen ist ohne Hubwagen kaum denkbar. Nicht verwunderlich ist es deshalb auch nicht, dass für die Benutzung von Flurfördermitteln gewissen Vorschriften und Regelungen erstellt wurden. Das beginnt bei dem Fahrer, welcher dazu verpflichtet ist, einen speziellen Führerschein zum innerbetrieblichen Führen von Flurförderzeugen zu haben. Des Weiteren müssen sich die Förderwagen in einem technisch einwandfreien Zustand befinden. Um dies sicherzustellen müssen Flurförderzeuge regelmäßig auf ihren sicheren Zustand geprüft werden.

 

Was sind Flurförderzeuge?

 
Flurförderzeuge bewegen sich mittels Rädern fort und sind durch einen Fahrer frei lenkbar. Sie werden innerhalb von Betrieben zum Heben, Stapeln, Einlagern und zur Beförderung von Lasten verwendet. Ein wesentliches Merkmal eines Flurfördermittels ist die Hubeinheit. Diese besteht aus einem Hubmast und einem Gabelträger. Letzterer ist mittels einer Hydraulik in unterschiedliche Höhen bewegbar. Da die Unfallgefahr beim Arbeiten mit einem Hubwagen erhöht ist, sind oftmals Schutzvorrichtungen für den Fahrer angebracht. Dazu zählen beispielsweise seitliche Schutzbügel, ein Lastschutzgitter als Schutz vor herabfallenden Gegenständen, besonders wirksame Bremsen und in manchen Fällen auch Warnvorrichtungen, die auf Fußgänger oder Hindernisse aufmerksam machen.

 

Fußwege und innerbetrieblicher Verkehr

 
Im Lagerbereich sind oftmals sowohl Mitarbeiter zu Fuß unterwegs als auch mit einem Flurförderzeug. Dabei besteht für alle Beteiligten ein erhöhtes Unfallrisiko. Es können Verletzungen durch Zusammenstöße oder Quetschungen entstehen. Umso wichtiger ist es, die Fahr- und Fußwege eindeutig zu kennzeichnen, entweder durch Absperrungen, Pfosten, Poller oder durch Bodenmarkierungen. Laut den Berufsgenossenschaftlichen Vorschriften BGV D 27 müssen auch komplett für Fußgänger gesperrte Bereiche deutlich sichtbar gemacht werden. Zu diesem Zweck eignet sich die Anbringung von Sicherheitszeichen entsprechend der Unfallverhütungsvorschrift.

 

Wie oft wird geprüft?

 
Für die Prüfungen von Flurförderzeugen gilt laut BGV D27 ein Höchstabstand von einem Jahr als aktueller Stand der Technik. Der Prüfabstand richtet sich jedoch in jedem Unternehmen nach der innerbetrieblichen Gefährdungsbeurteilung. Bedingungen wie eine sehr häufige Verwendungen, starke Beanspruchung, ständiger Verschleiß und erhöhte Korrosion können die Prüffristen jedoch verkürzen.

 

Wer führt die Prüfung durch?

 
Es liegt in der Verantwortung des Unternehmers alle Flurförderzeuge, ihre Anbaugeräte und dazugehörigen Sicherheitseinrichtungen mindestens einmal jährlich von einer sachkundigen Person prüfen zu lassen. Dabei ist es dem Unternehmer freigestellt, welche Person den Auftrag bekommt, solange diese die entsprechende Befähigung vorweisen kann. Alle fachlichen und persönlichen Voraussetzungen für die Prüfung von Flurförderzeugen sind erfüllt, wenn während der Berufsausbildung und der beruflichen Tätigkeit genügend Erfahrungen auf dem Gebiet der Flurförderzeuge gesammelt wurden. Außerdem muss die Person Kenntnisse über die zutreffenden Arbeitsschutzvorschriften, Richtlinien und anerkannten Regeln der Technik besitzen. Aufgrund seiner Erfahrungen muss der Sachkundige in der Lage sein den arbeitssicheren Zustand des Flurförderzeugs beurteilen zu können. Besonders wichtig ist die Vorgabe, dass die Prüfung unbeeinflusst von persönlichen, wirtschaftlichen oder betrieblichen Interessen absolviert werden muss.

 
Folgende Personen sind zur regelmäßigen Prüfung von Flurförderzeugen befähigt:

  • Kundendienstmonteure der Herstellerfirma
  • Fachingenieure der Herstellerfirma
  • Ausgebildete Betriebsmeister, Betriebsingenieure, Betriebshandwerker
  • Freiberufliche Sachkundige

Was wird überprüft?

 
Der Betrieb von Flurförderzeugen darf nur stattfinden, wenn sich die Anlage in einem sicheren und mängelfreien Zustand befindet. Die technischen Einrichtungen wie Bremsen, die Lenkung und Sicherheitseinrichtungen, das Hubwerk und alle weitere Ausrüstungsgegenstände müssen einwandfrei funktionieren. Der Ausfall nur einer dieser Bauteile kann folgenschwere Unfälle verursachen. Die in der BGV D27 vorgeschriebenen wiederkehrenden Prüfungen sollen solche, Vorkommnisse verhindern.

 
Eine wiederkehrende Prüfung umfasst im Allgemeinen folgende Inhalte:

  • Mängelfreier Zustand aller Bauteile und Einrichtungen
  • Vollständigkeit und Wirksamkeit aller Sicherheitseinrichtungen
  • Vollständigkeit und Weiterführung des Prüfnachweises
  • Kennzeichnung des geprüften Flurförderzeuges

Im Detail unterteilt sich die Überprüfung in die unterschiedlichen Bauteile des Flurförderzeuges. Neben dem Fahrwerk und Antrieb und dem Hubwerk, werden auch Fahrerschutzeinrichtungen und sonstige Kennzeichnungen und Aufzeichnungen kontrolliert.

 
Fahrwerk und Antrieb

  • Lenkung: Radlager, Lenkgetriebe, Lenkhebel, Achsschenkelbolzen, Achsaufhängung, Lenkgestänge, Gelenke
  • Fahrbremse und Feststellbremse: Bremsbeläge, Bremsleitungen und -Anschlüsse, Arretierung der Feststellbremse, Bremspedalspiel, Wirksamkeit der Bremsen, Bremsseil oder -gestänge
  • Räder: Radbolzen, Bereifung und Luftdruck
  • Fahrgestell: Befestigung des Gegengewichtes und des Hubgerüstes am Fahrgestell, Rahmen und Traversen (Schweißnähte), Tragfedern und Federlagerungen, Anhängekupplung
  • Schalter und Warneinrichtungen: Schaltschloss oder Zünd- bzw. Anlassschloss, Fahrschalter und Betätigungseinrichtungen, Deichselkopfschalter bei Mitgänger-Flurförderzeugen, Hupe
  • Bei elektrischem Antrieb: Sicherungen und Leitungen, Befestigungselemente der Fahrzeugbatterie, Impulssteuerung
  • Beim Antrieb durch Verbrennungsmotoren: Auspufftopf (Zustand und Geräuschdämpfung), Einspritzpumpe (Rauchfreiheit), Abgasreinigung (Katalysator und Filter)
  • Anhänger, wenn vorhanden: Fahrwerk und Kupplungsgestänge

Hubwerk

  • Hydraulikanlage: Arbeitszylinder und Steuerventile, Leckverluste dürfen Höchstvorgaben unter bestimmten Bedingungen nicht überschreiten
  • Hubgerüst: Rollen, Sicherheitsanschläge, Gleitschienen und Endschalter, gleichmäßige Einstellung der Neigzylinder und deren Befestigung, Lager des Hubgerüstes; Bei Windenantrieb: Flaschen- sowie Seilrollen und Seiltrommel
  • Huborgane: Verbindungselemente, Klemmen, Schlösser
    • Seile
    • Lamellenketten: Fleyerketten und Rollenketten, Ketten Probebelastung aussetzen, auf Risse, Abnutzungserscheinungen, Kerben prüfen, zulässige Längung darf nicht überschritten werden
  • Lastaufnahmemittel
    • Gabeln: Gabelzinkendicken, nach Probebelastung darf keine bleibende Formveränderung auftreten, Risse
    • Sonstige Lastaufnahmemittel, Anbaugeräte: Befestigungselemente, Zustand der Anbaugeräte, Zustand Plattform von Hochhubwagen

Fahrerschutz

  • Bei Standflurförderzeugen: Schutzdach für den Fahrer, Lastschutzgitter

Sonstiges

  • Anhängevorrichtungen, Beschilderung, Sitz und Haltegriff für Mitfahrer, Beleuchtungsanlage, Fabrikschilder, Traglastdiagramme

Was passiert bei festgestellten Mängeln?

 
Neben den festgelegten Überprüfungen hat auch der Fahrer die Pflicht, das Flurförderzeug täglich vor und während des Betriebes auf Mängel zu untersuchen und zu beobachten. Stellt der Nutzer Beschädigungen fest, die die Sicherheit einschränken, darf das Flurfördermittel nicht benutzt werden. Der Fahrer meldet dann den gefundenen Fehler an den Unternehmer, welcher wiederrum die Behebung des Schadens veranlassen muss. Bevor der sichere Zustand nicht wiederhergestellt ist, darf das Flurförderzeug nicht wieder in Betrieb genommen werden.

 
Die Sicherheit beeinträchtigende Mängel sind beispielsweise:

  • Schadhafte Reifen
  • Luftdruck der Reifen nicht ausreichend
  • Zu großes Lenkungsspiel
  • Betriebs- und Feststellbremse eingeschränkt funktionstüchtig oder unwirksam
  • Ausgeschlagene und verformte Gabelzinkenaufhängungen
  • Schäden an den Gabelzinken (verschlissen, verbogen, Risse)
  • Defekte Sicherung der Gabelzinken gegen Herausheben und Verschieben
  • Höhenunterschiede zwischen den Gabelzinken
  • Hubketten sind nicht ausreichend und gleichmäßig gespannt
  • Leckagen in der Hydraulik
  • Risse an tragenden Teilen

Prüfnachweise und Kennzeichnung

 
Um die Durchführung von wiederkehrenden Prüfungen nachweisen zu können, muss eine Dokumentation angefertigt und geführt werden. Der Prüfnachweis muss bei Bedarf jederzeit einsehbar sein und sollte deshalb so nah wie möglich am Einsatzort des Flurförderzeuges aufbewahrt werden. Die Daten können in Form eines Prüfbuches oder digital festgehalten werden. Es muss jedoch immer ersichtlich sein, wer die letzten Änderungen an den Informationen vorgenommen hat.

 
Der Prüfnachweis bei wiederkehrenden Prüfungen muss folgende Daten enthalten:

  • Datum und Umfang der Prüfung
  • Ergebnisse und Erkenntnisse der Prüfung
  • Angabe festgestellter Mängel
  • Beurteilung, ob Weiterbetrieb unbedenklich ist
  • Angaben der notwendigen Nachprüfungen
  • Name und Anschrift des Prüfers
  • Vermerk und Bestätigung, wenn Mängel beseitigt sind

Ist die Prüfung abgeschlossen und festgestellte Mängel behoben, empfiehlt sich die Anbringung von Prüfplaketten. Für die Prüfung von Flurförderzeugen gibt es bei brewes die Plaketten „Geprüft nach BGV D27“ sowie „Nächster Prüftermin nach § 37 BGV D27“. Der Termin kann auf beiden Prüfplaketten mit Jahr und Monat angegeben werden. Welche Variante zur Kennzeichnung von Flurförderzeugen gewählt wird, richtet sich somit nach dem Bedarf und auch Geschmack den Kunden. Die Prüfplaketten erhalten Sie im brewes Onlineshop.

 

Prüfplakette Geprüft nach BGV D27

 

Prüfplakette Nächster Prüftermin nach § 37 BGV D27

2 thoughts on “Prüfung von Flurförderzeugen nach § 37 BGV D27


  1. Ich muss demnächst einen Hydraulikservice in Anspruch nehmen, da einige unserer Flurförderfahrzeuge diesbezüglich überprüft werden müssen. Ich bin froh, auf diesen Beitrag gestoßen zu sein, zumal ich vorher nicht wusste, dass ein zu großes Lenkungsspiel zu den Mängeln gehören kann.


  2. Nachdem unser Flurförderzeug nicht mehr funktioniert, möchte mein Chef einen Stapler mieten, statt einen neuen zu kaufen. Gut zu wissen, dass das Fahrzeug trotz allem mindestens einmal jährlich überprüft werden muss. Ich werde meinem Chef raten abzuklären, ob die Verleihfirma die Wartung übernimmt oder ob wir einen freiberuflichen Sachverständigen oder den Hersteller damit beauftragen müssen.

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