16.10.2014

Prüfung von Erste-Hilfe-Material nach ASR A4.3

Verbandskästen, Trageliegen und Notruftelefone – Erste-Hilfe-Einrichtungen können Leben retten und Spätfolgen für die Gesundheit verhindern. Umso wichtiger ist es, in Arbeitsstätten alle Vorschriften zur Ersten Hilfe einzuhalten. Die ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“ beschreibt, welche Anforderungen die Erste-Hilfe-Einrichtungen in Betrieben erfüllen müssen. Solange sich der Arbeitgeber bzw. der Unternehmer an diese Technische Regel für Arbeitsstätten hält, erfüllt er alle gesetzlichen Vorgaben zur Ersten Hilfe.

 

Verbandskästen

 
Verbandskästen oder Erste-Hilfe-Koffer enthalten Hilfsmittel, um im Notfall medizinische Maßnahmen einleiten zu können. Die erste Hilfe dient als Übergangslösung bis der Notarzt eintrifft und kann oftmals Verletzungsfolgen mildern. Laut ASR A4.3 muss in jedem Betrieb eine bestimmte Anzahl an Erste-Hilfe-Koffern vorhanden sein.

 
Verwaltungs- und Handelsbetriebe

  • Bei 1 bis 50 Beschäftigten = 1 kleiner Verbandskasten (nach DIN 13157)
  • Bei 51 bis 300 Beschäftigten = 1 großer Verbandskasten (nach DIN 13169)
  • Bei 301 bis 600 Beschäftigten = 2 große Verbandskästen
  • Für je 300 weitere Beschäftigte = +1 großer Verbandskasten

Herstellungs-, Verarbeitungsbetriebe und Vergleichbares

  • Bei 1 bis 20 Beschäftigten = 1 kleiner Verbandskasten
  • Bei 21 bis 100 Beschäftigten = 1 großer Verbandskasten
  • Bei 101 bis 200 Beschäftigten = 2 große Verbandskästen
  • Für je 100 weitere Beschäftigte = +1 großer Verbandskasten

Baustellen und baustellenähnliche Einrichtungen

  • Bei 1 bis 10 Beschäftigten = 1 kleiner Verbandskasten
  • Bei 11 bis 50 Beschäftigten = 1 großer Verbandskasten
  • Bei 51 bis 100 Beschäftigten = 2 große Verbandskästen
  • Für je 50 weitere Beschäftigte = +1 großer Verbandskasten

Das Erste-Hilfe-Material kann neben dem klassischem Verbandskoffer auch in Taschen, Schränken oder Rucksäcken aufbewahrt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt in der ASR A4.3 ist der jeweilige Inhalt des kleinen und großen Verbandskastens. Wie bereits in der Übersicht erwähnt, hat der kleine Koffer einen Inhalt nach DIN 13157 und der große nach DIN 13169. Die Anzahl von Heftpflastern, Verbänden, Kompressen, Fixierbinden, Scheren, Handschuhen und Dreieckstüchern ist genau in der Technischen Regel und den DIN-Normen festgelegt.

 

Einrichtungen zur Ersten Hilfe

 
Zu den Erste-Hilfe-Einrichtungen gehören Meldeanlagen, Rettungstransportmittel, Rettungsgeräte und Erste-Hilfe-Räume. Ob und in welcher Art und welchem Umfang diese in einer Arbeitsstätte vorhanden sein müssen, hängt von der jeweiligen betrieblichen Gefährdungsbeurteilung ab. In ihr ist zum Beispiel festgelegt ob ein normales Notruftelefon ausreicht oder eine Alarmanlage installiert werden sollte. Rettungstransportmittel sind ebenfalls nur in bestimmten Fällen notwendig. Beispielsweise wenn es dem Rettungsdienst nicht möglich wäre mit Tragen zum Unfallort zu gelangen. Für diesen Fall müssen alternative Transportmittel, wie Schleifkörbe oder Rettungstücher vorhanden sein. Manche Arbeitsplätze erfordern besonders hohe Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel Grubenarbeiten, Baustellen oder Tätigkeiten auf einem Gerüst. Dort müssen je nach Gefährdungsbeurteilung auch bestimmte Rettungsgeräte, wie Schneid- oder Abseilvorrichtungen, vorhanden sein. Zur individuellen Erste-Hilfe-Ausrüstung je nach Gefahrenpotential gehören außerdem medizinische Geräte wie Beatmungsgeräte und Defibrillatoren. Erste-Hilfe-Räume oder abgetrennte Erste-Hilfe-Bereiche sind in Betrieben mit mehr als 1000 Mitarbeitern bzw. auch schon ab 100 Beschäftigten und wenn ein besonders großes Sicherheitsrisiko besteht, vorgeschrieben.

 

Kennzeichnung von Erste-Hilfe-Einrichtungen und –Material

 
Zu einer vollständigen Erste-Hilfe-Ausrüstung gehört auch eine eindeutige und gut sichtbare Beschilderung. Da bei Unfällen oftmals jede Minute zählt, müssen die Erste-Hilfe-Materialien schnell gefunden und erreicht werden können. Erste-Hilfe-Schilder und Rettungszeichen kennzeichnen die entsprechenden Räume und Aufbewahrungsorte der Verbandskästen und Erste-Hilfe-Einrichtungen. Alle Informationen zur Kennzeichnung  sind in der ASR A1.3 zu finden.

 

Prüfung nach ASR A4.3

 
Die Verantwortung für die Sicherheit in Arbeitsstätten liegt grundsätzlich beim Arbeitgeber bzw. Unternehmer. Dieser muss eine externe oder auch betriebsinterne Person damit beauftragen, alle sicherheitstechnischen Belange zu verwalten, zu prüfen und auf dem aktuellen Stand zu halten. Der Sicherheitsbeauftrage muss dann für die Einhaltung der verschiedenen Vorschriften und Normen sorgen.

 
Nach der ASR A4.3 sollte sich der Sicherheitsbeauftrage vor allem auf das Vorhandensein und die Vollständigkeit der Erste-Hilfe-Materialien konzentrieren. Wurde ein Verbandskasten geöffnet und benutzt, muss er wieder aufgefüllt und mit einer Plombe oder einem Siegel verschlossen werden. Zusätzlich kann die Prüfplakette „Geprüft nach ASR A4.3 – Nächster Prüftermin“ aufgeklebt werden. Außerdem muss der Sicherheitsbeauftragte sicherstellen, dass die gesamte Ausrüstung an ihrem vorgesehenen Platz und ausreichend ausgeschildert ist. Schließlich liegt es noch in seiner Verantwortung alle Überprüfungen umfassend zu dokumentieren.

Dokumentation und Prüfplakette „Geprüft nach ASR A4.3“

 
Die Dokumentation von Prüfungen wird in zahlreichen Gesetzen und Vorschriften erwähnt. Dazu zählen das Arbeitsschutzgesetz, die Betriebssicherheitsverordnung, die technischen Regeln für Betriebssicherheit sowie die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.

 
Die verschiedenen Normen sind sich in dem Punkt einig, dass zu einer vollständigen Überprüfung, neben einer Prüfplakette, auch eine Dokumentation aller Prüfschritte gehört. Zu diesem Zweck eignet sich beispielsweise ein Prüfprotokoll, welches zu jeder Kontrolle wieder ausgefüllt wird. Auf diese Weise sind die Prüfergebnisse vergleichbar und sicherheitstechnische Veränderungen des Prüfgegenstandes schnell zu ermitteln. Eine Dokumentation aller Prüfungen ist außerdem wichtig, da die zuständige Behörde die Aufzeichnungen jederzeit einsehen kann. Besonders im Schadensfall oder nach einem Unfall muss ein Betrieb nachweisen können, alle Prüfungen ordnungsgemäß und fristgerecht durchgeführt zu haben. Ist er dazu nicht in der Lage, kann einerseits die Versicherung die Leistungen verweigern und andererseits können Auflagen und Strafen für das Unternehmen verhängt werden.

 
Für die Überprüfungen nach ASR A4.3 sollte ebenfalls ein Prüfprotokoll angefertigt werden. Für eine bessere Übersicht kann die entsprechende Prüfplakette „Geprüft nach ASR A4.3“ sowohl auf den Prüfgegenstand als auch direkt in das Prüfprotokoll geklebt werden. Mit Hilfe eines Folienstiftes oder einer Lochzange kann der nächste Prüftermin gleich mit markiert werden. Die Prüfplakette „Geprüft nach ASR A4.3 – Nächster Prüftermin“ erhalten Sie ab sofort in unserem brewes Onlineshop.

 

Prüfplakette „Geprüft nach ASR A4.3 – Nächster Prüftermin“

8 thoughts on “Prüfung von Erste-Hilfe-Material nach ASR A4.3


  1. Hallo,

    gibt es eine Empfehlung in welchen Abständen Krankentragen auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft werden müssen?


  2. In meinem Büro arbeiten 50 Leute. Ich hoffe mein Chef weiß das er einen zweiten Verbandskasten anschaffen muss wenn mehr Leute eingestellt werden. Gut zu wissen, dass der Verbandskasten eine sichtbare Beschilderung braucht. Ich werde mal schauen wo der Verbandskasten bei uns ist.


  3. Hallo,
    mich würde interesieren in welchen Abständen ich als Sicherheitsbeauftrgter den Verbandskasten überprüfen muss oder ob zB. in ein Sanitätshaus gebracht werden muss?


    1. Sehr geehrte Damen und Herren,

      bezüglich Ihrer Anfrage zur Kontrolle von Verbandskästen möchte ich Ihnen unseren Blogbeitrag vom 11. März 2019 empfehlen. http://www.brewes-blog.de/ist-ihr-verbandkasten-vollstaendig/
      Verbandkästen sollten einerseits regelmäßig auf die Haltbarkeit der Verbandsstoffe und nach deren Benutzung auf Ihre Vollständigkeit überprüft werden.

      Außerdem finden Sie unter dem folgenden Link https://www.brewes.de/downloads/pm/Inhalt%20DIN%2013157%20und%2013169.pdf unsere Checkliste für den Inhalt von Verbandkästen.

      Hilfreich für die Kontrolle sind auch Prüfsiegel oder Plomben, die die Benutzung eines Erste Hilfe Koffers sofort kenntlich machen oder auch auf den nächsten Kontrolltermin hinweisen.


  4. Hallo, leider kann ich in den Gesetzen und Verordnungen keine HInweis auf eine Pflicht zur Anbringung von Prüfplakette oder Prüfsiegel finden. Worauf stützen Sie Ihre Aussage: „…Die verschiedenen Normen sind sich in dem Punkt einig, dass zu einer vollständigen Überprüfung, neben einer Prüfplakette, auch eine Dokumentation aller Prüfschritte gehört….“?


    1. Sehr geehrte Frau Beatrice H.,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      In der ASR A4.3 für Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe steht, dass das Erste-Hilfe-Material nach Verbrauch, bei Unbrauchbarkeit oder nach Ablauf des Verfallsdatums zu ergänzen ist.

      Wie Unternehmen das sicherstellen können, schreibt der Gesetzgeber nicht vor. Die Rechtsprechung ist nun leider so offen verfasst, dass man daraus sehr viel für sich als Unternehmen ableiten kann. Daher empfehlen wir ein Prüfsiegel anzubringen, damit man den Überblick behält, wann die nächste Prüfung ansteht oder man gleich auf Anhieb sieht, wenn Material entnommen wurde. Auch ein Protokoll zur Überprüfung zu schreiben, ist entsprechend empfehlenswert, denn niemand kann sich wahrscheinlich für alle Erste-Hilfe Kästen in einem Unternehmen merken, wann etwas zu ersetzen ist, was zu ersetzen ist und ob es bereits erledigt wurde.

      Falls es nach einem Arbeitsunfall zu einer Klage kommt, ist ein Protokoll ebenfalls ein guter Nachweis. Allerdings ist die Nachweisführung nur für das Unfallbuch gesetzlich vorgeschrieben ggf. für elektrische Geräte. Was und wie in einem Unternehmen geprüft wird, muss letztlich die Sicherheitsfachkraft des Unternehmens festlegen. Der Sanitätskasten oder die Augenspülbox ist sicher auch nur ein kleiner Teil, der Ersten Hilfe. Es gibt eine Anzahl weiterer Erste-Hilfe-Materialien wie Transportmittel für Verletzte, Defibrillatoren oder Fluchtretter, Bestandteile von Notfallkoffern usw., bei denen es wesentlich relevanter ist, Prüfungen durchzuführen und diese zu dokumentieren.

      In jedem Fall empfehlen wir (die höchst mögliche Absicherung aus Unternehmenssicht), da das Gesetz hier wie gesagt ziemlich weit ausgelegt werden kann, einen Termin, wann die nächste routinemäßige Überprüfung fällig ist, auf einem Prüfsiegel oder einer Prüfplakette oder zumindest in einem Protokoll zu vermerken. Eine rechtlich verbindliche Empfehlung stellt ein Blogbeitrag niemals dar und es ist ratsam immer ein Arbeitsschutzbüro zu befragen, wie es in Ihrem Unternehmen im Einzelfall zu handhaben ist.

      Da die Umsetzung aus den Normen, Richtlinien und Gesetzen in der Praxis teilweise schwierig sein kann, möchten wir mit unseren Beiträgen nur eine Hilfestellung geben.
      Auch möchten wir darauf hinweisen, dass Beiträge die Jahre zurückliegen, mittlerweile auch fachlich veraltet sein können und auch der Inhalt unserer Beiträge ist natürlich Irrtümern vorbehalten. Für eine rechtssichere Beratung gibt es Spezialisten, die man zu solchen Themen aufsuchen sollte. Unser Blog soll aber keineswegs deren Arbeit ersetzen.

      Viele Grüße Ihr Prüfplaketten-News Team


  5. Hallo habe in unserem betrieb den verbandsschrank auf den neusten Stand gebracht nun weiss ich nicht was ich auf die prüfplakette schreiben muss LG Brandenburg


    1. Sehr geehrte Frau Brandenburg,

      durch den Gesetzgeber sind keine festen Prüffristen für die Prüfung von Erste-Hilfe-Material festgelegt worden. Arbeitgeber müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung und in Verbindung mit § 3 Arbeitsstättenverordnung die entsprechenden Prüffristen für den Bereich in dem der Verbandsschrank steht eigenständig festlegen.

      Unter Punkt 4 (4) der ASR A4.3 für Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe steht, dass das Erste-Hilfe-Material nach Verbrauch, bei Unbrauchbarkeit oder nach Ablauf des Verfallsdatums zu ergänzen bzw. zu ersetzen ist.

      Daher empfehlen wir anstatt des Anbringens einer Prüfplakette, eher ein Prüfsiegel (https://www.brewes.de/arbeitsschutz/erste-hilfe/verbandbuecher-erste-hilfe-aufkleber-und-siegel/pruefsiegel-erste-hilfe.html) zu verwenden. Somit sieht man auf den ersten Blick, ob etwas entnommen wurde und dadurch die Pflicht zum Auffüllen gegeben ist.
      Die Prüfung sollte für Ihren Bedarf in regelmäßigen Abständen erfolgen. Hierbei geht man davon aus, dass wenn ein Verbandsschrank sehr häufig verwendet werden muss, auch das Prüfintervall dementsprechend häufig sein sollte.

      Hier empfiehlt es sich, Ihren Arbeitsschutzbeauftragten zu befragen, welcher Prüfabstand in Ihrem Unternehmen für diesen Schrank sinnvoll wäre.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Team von pruefplaketten-news

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