19.07.2013

Prüfung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln nach GUV-V A3

Erst wenn in einem Betrieb ein Stromausfall stattfindet, wird einem bewusst, wie groß die Abhängigkeit von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln im Arbeitsalltag ist. Keine Produktion oder Buchhaltung funktioniert heutzutage noch ohne elektrische Geräte. Umso wichtiger ist die einwandfreie Funktionsweise der elektrischen Einrichtungen. Außerdem muss die Sicherheit im Umgang mit den Anlagen unter Berücksichtigung der gültigen elektrotechnischen Regeln gewährleistet sein. Der Arbeitgeber oder Unternehmer einer Einrichtung ist laut der Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A3 sowie der Berufsgenossenschaftlichen Vorschrift (BGV) A3 dafür verantwortlich, dass alle vorhandenen elektrischen Anlagen und Betriebsmittel ordnungsgemäß installiert, geprüft und instandgehalten werden.

 

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel

 
Zu den elektrischen Anlagen und Betriebsmittel zählen alle Geräte, die unter Verwendung von elektrischer Energie funktionieren. Die Energie wird durch diese Gegenstände verbraucht, verteilt, gespeichert, umgesetzt oder geleitet. Auch Fernmelde- und Informationstechnik gehört zu den elektrischen Anlagen. Schutz- und Hilfsmittel, welche elektrischen Sicherheitsanforderungen unterliegen, sind ebenfalls Betriebsmittel gemäß GUV-V A3. Ein Zusammenschluss von mehreren elektrischen Betriebsmitteln bildet eine elektrische Anlage.

 
Die Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A3 unterscheidet zwischen ortsveränderlichen und ortsfesten elektrischen Betriebsmitteln sowie zwischen stationären und nicht stationären Anlagen, welche im Folgenden noch genauer erläutert werden.

 

Befähigte Person – Elektrofachkraft – elektrotechnisch unterwiesene Person

 
Prüfungen an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln müssen von einer befähigten Person durchgeführt werden. Die Befähigung wird erreicht durch eine elektrotechnische berufliche Ausbildung, Fachkenntnisse und Berufserfahrungen mit elektrischen Betriebsmitteln. Der Umgang mit elektrischen Arbeitsmitteln in Form von Instandhaltungen, Zusammenbau, Inbetriebnahme und Nutzung sollte mindestens ein Jahr stattgefunden haben. Außerdem müssen alle einschlägigen Vorschriften und Bestimmungen bekannt sein, so dass mögliche Gefahren erkannt werden können. Sind diese Voraussetzungen bei einer Person gegeben handelt es sich um eine Elektrofachkraft, die zur Prüfung von elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen befähigt ist (bspw. Elektromeister, Elektrotechniker, Elektroingenieur).

 
Ein betriebseigener Mitarbeiter kann von einer Elektrofachkraft elektrotechnisch unterwiesen werden. Die Fachkraft übermittelt Informationen zu Schutzeinrichtungen und –maßnahmen sowie zu möglichen Gefahren bezüglich der Prüfung von elektrotechnischen Anlagen. Auf diese Weise kann ein Facharbeiter, Hausmeister oder Handwerker zu einer elektrotechnisch unterwiesenen Person werden.

 
Die Verantwortung über die vorschriftsmäßige Überprüfung von Anlagen liegt bei der Elektrofachkraft. Elektrotechnisch unterwiesene Personen sind dazu berechtigt Wiederholungsprüfungen durchzuführen, jedoch nur, wenn sie geeignete Prüfgeräte verwenden und die zuständige Elektrofachkraft zur Aufsicht und Leitung der Prüfung vor Ort ist. Die Fachkraft muss jederzeit eingreifen und Fragen beantworten können. Die Bildung eines Prüfteams, bestehend aus der Elektrofachkraft und der unterstützenden unterwiesenen Person, ist ebenfalls möglich.

 

Prüfung von elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln

 
Organisation

 
Es ist wünschenswert, dass die Überprüfung von Anlagen und Betriebsmitteln so wenig wie möglich in den Arbeitsablauf eingreift. Dies wird am besten mit einer umfassenden Planung und Vorbereitung erreicht. Es muss geklärt sein, ob für die Prüfung ein externer Dienstleister beauftragt wird oder ein betriebseigener Mitarbeiter befähigt ist. Der Termin und Zeitpunkt der Prüfung sollte so gewählt sein, dass der zeitliche Aufwand gering bleibt, keine Wartezeiten entstehen und ein reibungsloser Ablauf möglich ist. Die Prüfgeräte müssen sich in einem mängelfreien Zustand befinden und für die Überprüfung geeignet sein. Außerdem muss im Vorfeld geklärt werden, ob auch privat in die Einrichtung mitgebrachte Geräte geprüft werden oder nicht. Die weitere Vorgehensweise nach der Feststellung von Mängeln sollte ebenfalls festgelegt sein.

 

Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme

 
Der Arbeitgeber oder Unternehmer muss dafür sorgen, dass sich die elektrischen Anlagen und Betriebsmittel vor der ersten Inbetriebnahme in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Unter bestimmten Bedingungen dürfen Erstprüfungen von Anlagen und Betriebsmitteln entfallen. Für einen Verzicht auf die Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme muss der Hersteller oder Errichter der Anlage schriftlich bestätigen, dass sie der Unfallverhütungsvorschrift entspricht und die elektrotechnischen Regeln eingehalten wurden.

 

Prüfungen nach außergewöhnlichen Ereignissen

 
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel werden regelmäßig Prüfungen unterzogen. Die Prüffristen sind festgelegt und sollten keinesfalls überschritten werden. Eine Unterschreitung von Fristen kann jedoch jederzeit notwendig werden. Bei der täglichen Nutzung können während der Sichtprüfung sicherheitsgefährdende Mängel auffallen, die die Durchführung einer außerordentlichen Prüfung verursachen. Folgende Ereignisse können die sichere Nutzung von elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen beeinträchtigen:

  • Verschmutzungen
  • Versprödung von Kunststoffteilen
  • Schadhafte Isolierungen, Stecker und Zuleitungen
  • Abnutzung/Verschleiß/Korrosion
  • Feuchtigkeitseinwirkungen
  • Um-/Absturz eines Arbeitsmittels
  • Klima-/Witterungseinflüsse (Sonneneinstrahlung, Kondensat, Regen, Überspannung durch Blitzschlag)
  • Farbveränderungen am Gehäuse
  • Unnormale Betriebsgeräusche
  • Unnormale Wärmeentwicklung oder Rauchbildung
  • Längere Zeiträume der Nichtbenutzung

Mit einer außerordentlichen Prüfung kann größeren Schäden vorgebeugt und unnötige Kosten vermieden werden. Auch der sichere Betrieb der Anlage wird gewährleistet.

 

Wiederkehrende Prüfungen

 
Für die wiederkehrende Prüfung an elektrischen Betriebsmitteln und Anlagen gibt es festgelegte Maximalabstände und zahlreiche gesetzliche Vorschriften und Regelungen. Die prüfende Elektrofachkraft muss alle entsprechenden elektrotechnischen Regeln zur Verfügung haben und anwenden können. Dazu zählen unter anderem die DIN VDE 0105 „Betrieb von elektrischen Anlagen“, die DIN VDE 0701-0702 „Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte“ sowie die DIN VDE 0100-600 zur Prüfung elektrischer Anlagen. Ausführliche Informationen zu den beiden letzten Normen finden Sie beim Klicken auf die Links. Natürlich darf auch die Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A3 nicht fehlen. Ziele einer Wiederholungsprüfung sind das rechtzeitige Erkennen von Fehlern an der elektrischen Anlage, die im schlimmsten Fall zu einem Brand führen könnten sowie von Anlagenmängeln und Normabweichungen, die eine Gefährdung für den Benutzer der Anlage darstellen. Außerdem werden vergangene Prüfergebnisse mit dem aktuellen Zustand verglichen. Die Anlage darf nicht derart beschädigt sein oder sich insgesamt in der Funktionstüchtigkeit verschlechtert haben, dass ein Sicherheitsrisiko besteht. Die Elektrofachkraft hat dafür Sorge zu tragen, dass der ordnungsgemäße Zustand der elektrischen Anlagen und aller Betriebsmittel erhalten bleibt. Dafür sind entweder ausführliche wiederkehrende Überprüfungen notwendig oder eine andauernde Überwachung der Anlage und ihrer Betriebsmittel. Die verantwortliche Elektrofachkraft kann durch vorbeugende Wartung und ausführliche Dokumentation aller Vorgänge auf wiederkehrende Prüfungen verzichten.

 
In Betrieben, wo keine ständige Überwachung der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel erfolgen kann, kommen in festgelegten Abständen Wiederholungsprüfungen zum Einsatz. Die Fristen hängen unter anderem vom Grad der Beanspruchung ab. Das heißt es müssen zum Beispiel die Umgebungstemperatur sowie der Feuchtigkeits- und Verschmutzungsgrad der Umgebung berücksichtigt werden. Welche Voraussetzungen gegeben sind, wird anhand der betriebsspezifischen Gefährdungsbeurteilung bestimmt. Weiterhin muss der Zeitpunkt der Prüffristen so gewählt werden, dass sich entwickelnde Mängel rechtzeitig behoben werden können. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Prüffrist korrekt gewählt ist, wenn sich die Fehlerquote unter einem Wert von 2% befindet.

 
Wie bereits erwähnt findet in der Unfallverhütungsvorschrift GUV-V A3 eine Unterscheidung zwischen ortsveränderlichen und ortsfesten elektrischen Betriebsmitteln sowie stationären und nicht stationären Anlagen statt.

 

Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel

 
Ortsveränderliche elektrische Betriebsmittel können während sie in Betrieb sind bewegt oder an einen anderen Platz gebracht werden. Dabei sind sie an den Versorgungsstromkreis angeschlossen. Es handelt sich dabei zum Beispiel um handgeführte elektronische Werkzeuge, Verlängerungsleitungen, Computer, Stehlampen, Geräteanschlussleitungen oder Haushaltsgeräte wie zum Beispiel Kaffeemaschinen. Verschiedene Einrichtungen haben unterschiedliche Prüffristen einzuhalten:

 

Prüffrist von 6 Monaten

  • Küchen für Gemeinschaftsverpflegung/Großküchen: Küchengeräte wie Toaster, Aufschnittmaschinen, Kochplatten, Kaffeeautomaten
  • Schlachthöfe: elektrisch betriebene Sägen und Messer
  • Bäder: Unterwassersauger, Wassersauger, Zentrifugen

Prüffrist von 12 Monaten

  • Laboratorien: Netzbetriebene Laborgeräte, Messgeräte, bewegliche Analysegeräte
  • Feuerwehren: Handleuchten, Flutlichtscheinwerfer, Umfüllpumpen
  • Gebäudereinigung: Teppichreinigungsgeräte, Staubsauger, Bohner- und Bürstengeräte
  • Unterrichtsräume in Schulen: Beamer, Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen
  • Wäschereien: Nähmaschinen, Bügeleisen und -maschinen
  • Werkstätten/Baustellen: Mischmaschinen, Winkelschleifer, Stichsägen, Belüftungsgeräte, Rasenmäher, Häcksler

Prüffrist von 24 Monaten

  • Bürobetriebe: Text- und Datenverarbeitungssysteme, Overheadprojektoren, Ventilatoren, Mobile Kopiergeräte, Buchungsautomaten, Diktiergeräte
  • Pflegestationen/Heime: Rasiergeräte, Elektrische Handgeräte, Föne, Frisierstäbe, Rotlichtleuchten, Tischleuchten

Diese Prüffristen sind jedoch Richtwerte, denn sie werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst. Bei elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln, die selten benutzt oder nur wenig belastet werden, kann sich die Prüffrist verlängern. Extreme Umgebungsbedingungen wie hohe Feuchtigkeit zum Beispiel im Abwasser- oder Bäderbereich, eine starke mechanische Beanspruchung sowie besonders hohe oder niedrige Temperaturen können zu einer Verkürzung des Prüfabstandes führen. Dies gilt auch für Arbeitsstätten, in denen ein höheres Risiko eines elektrischen Schlages, Brandes oder einer Explosion besteht. Das Vorhandensein von Hochspannungs- oder Niederspannungsanlagen ist ein weiterer Grund für häufigere wiederkehrende Überprüfungen. Auch Faktoren wie die Art der Anlage und Betriebsmittel, die Verwendung, die Häufigkeit und Qualität der sonstigen Anlagenwartungen spielen eine Rolle bei der Festsetzung der Prüffristen. Solange sich die Fehlerquote unter 2% befindet, sind die Prüfabstände nicht zu gering.

 

Ortsfeste elektrische Betriebsmittel

 
Ortsfeste elektrische Betriebsmittel können entweder aufgrund ihrer hohen Masse, einer fehlenden Tragevorrichtung oder wegen einer mechanischen Befestigung nicht leicht bewegt werden. Sie sind an ihren Aufstellungsort gebunden. Ortsfest sind auch elektrische Betriebsmittel, die zeitweilig an einem Ort fest montiert sind und über bewegliche Leitungen betrieben werden. Betriebsmittel sind oftmals Teil von elektrischen Anlagen, wie Motoren, Lampen oder Ähnliches. Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind beispielsweise Elektroherde, Kühlschränke, Standbohrmaschinen, Steckdosen, Verteilerschränke oder Warmwasserspeicher.

 
Ortsfeste elektrische Betriebsmittel sind alle vier Jahre zu prüfen. Auch hier ist es möglich, dass eine ständige Überwachung und Instandhaltung sowie gewisse messtechnische Maßnahmen eine wiederkehrende Prüfung von ortsfesten elektrischen Betriebsmitteln ersetzen kann. Verantwortlich für die Wartung ist die Elektrofachkraft.

 

Stationäre Anlagen

 
Stationäre Anlagen haben die Haupteigenschaft mit ihrer Umgebung fest verbunden zu sein. Dazu zählen unter anderem Baustellenwagen, Container, Kompressoranlagen sowie Installationen in Gebäuden.

 

Nicht stationäre Anlagen

 
Nicht stationäre Anlagen sind ebenfalls mit ihrer Umgebung verbunden. Sie sind jedoch so aufgebaut, dass sie wieder demontiert werden können. Wird die Anlage an einem Ort nicht mehr benötigt, wird sie abgebaut und in ihre Einzelteile zerlegt, um dann an ihrem neuen Einsatzort wieder aufgebaut zu werden. Nicht stationäre Anlagen sind zum Beispiel sogenannte fliegende Bauten sowie Anlagen auf Bau- und Montagestellen.

 
Jede Art von elektrischer Anlage oder Betriebsmittel muss stets in einem ordnungsgemäßen sowie sicheren Zustand sein und den geltende elektrotechnischen Regeln entsprechen. Ist dies nicht der Fall, sind also Mängel oder Fehlfunktionen festgestellt worden, muss der Arbeitsgeber oder Unternehmer dafür sorgen, dass die elektrische Einrichtung repariert wird. Sollte bis dahin eine Gefahr von der fehlerhaften Anlage ausgehen, muss ein Verwendungsverbot ausgesprochen werden.

 

Prüfbericht für wiederkehrende Prüfungen

 
Egal ob in Form eines Prüfbuches, Papierbogens, einer Karteikarte oder digitalen Datei, der Umfang und die Ergebnisse einer wiederkehrenden Prüfung müssen schriftlich festgehalten und mindestens bis zur nächsten Überprüfung aufbewahrt werden. Der Prüfbericht sollte folgende Informationen zur geprüften Anlage enthalten:

  • Details zu Anlagenteilen
  • Genaue Aufzeichnung der Besichtigung
  • Ergebnisse der Erprobungen und Messungen
  • Eventuelle Abweichungen
  • Schäden, Fehler, Verschlechterungen, gefährliche Zustände
  • Empfehlungen für Reparaturen und Verbesserungen
  • Empfehlungen für die Zeitspanne bis zum nächsten Prüftermin

Kennzeichnung der elektrischen Betriebsmittel und Anlagen

 
Elektrische Anlagen und Betriebsmittel kommen im Arbeitsalltag neben der Elektrofachkraft mit verschiedenen Personen und Mitarbeitern in Kontakt. Während die Fachkraft über den aktuellen Zustand der Anlage vertraut ist, kennen die Benutzer diesen nicht. Unter anderem aus diesem Grund hat sich die Kennzeichnung der elektrischen Anlagen und Betriebsmittel mit Prüfplaketten bewährt. Die Plaketten symbolisieren wann das Gerät das letzte Mal geprüft wurde und wann der nächste Prüftermin fällig ist. Die Prüfplakette „Nächster Prüftermin GUV-V A3“ erhalten Sie im brewes Onlineshop.

 

Prüfplakette Nächster Prüftermin GUV-V A3

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