23.01.2013

Elektrische Prüfung nach DIN VDE 0100-600

Vor der Inbetriebnahme von elektrischen Anlagen und ebenso bereits während der Errichtung, müssen laut DIN VDE 0100-600 Überprüfungen an dem entsprechenden Gerät vorgenommen werden. Dies gilt auch bei Änderungen oder Erweiterungen, die an den elektrischen Anlagen vorgenommen werden. Die Prüfabstände sollten laut BGV A3 so gewählt werden, dass einkalkulierte Mängel rechtzeitig erkannt und behoben werden können.

 
Bevor die elektrische Anlage in Betrieb genommen werden darf, muss mit Hilfe von geeigneten Prüf- und Messverfahren die Sicherheit, Funktionstüchtigkeit und normgerechte Errichtung sichergestellt werden. Mit dieser Aufgabe muss eine Elektrofachkraft betraut werden, welche eine entsprechende Ausbildung absolviert hat und über Erfahrungen im Prüfen von elektrischen Anlagen verfügt. Weiterhin ist zu beachten, dass die Prüfungen nur mit den in der Norm VDE 0413 vorgeschriebenen Mess- und Überwachungsgeräten durchgeführt werden dürfen.

 
Aus Gründen der Sicherheit ist die Prüfung elektrischer Anlagen nach DIN VDE 0100-600 in einer festgelegten Reihenfolge zu vollziehen.

  • Besichtigen
  • Erproben
  • Messen

Besichtigen

 
Die Besichtigung der Anlage muss in jedem Fall vor dem Erproben und dem Messen stattfinden. Die elektrische Einrichtung ist während der Überprüfung abgeschaltet und von jeglicher Stromzufuhr getrennt. Bei einer genauen Untersuchung wird durch Anschauen, Anfassen, Rütteln, Ziehen auf die Anlage eingewirkt. Auf diese Weise werden alle Leitungen und elektrischen Bauteile auf ihren festen Halt und Anschluss sowie auf ihre speziellen Eigenschaften hin untersucht. Oberste Priorität hat jedoch die einwandfreie Funktionsweise aller Sicherheitseinrichtungen, wie zum Beispiel der Fehlerstromschutzschalter. Jegliche Betriebsmittel und Schutzmaßnahmen müssen entsprechend installiert sein und dürfen keinerlei Schäden aufweisen. Vor allem sollte der Schutz gegen elektrischen Schlag gewährleistet sein. Die Besichtigung sollte mit größter Sorgfalt und unter Anwendung von Fachwissen durchgeführt werden, da sonst Lebensgefahr für den Nutzer der elektrischen Anlage besteht.

 
Die Besichtigung besteht aus folgenden Unterpunkten

  • Allgemeine Besichtigung
  • Prüfen der Schutzmaßnahmen gegen direktes Berühren
  • Prüfen der Schutzmaßnahmen mit Schutzleiter
  • Prüfen der Schutzmaßnahmen ohne Schutzleiter

Zusammenfassend sollten beim Besichtigen folgende Überprüfungen stattgefunden haben:

  • Richtige Wahl und Schadensfreiheit der Betriebsmittel
  • Richtige Wahl von Kabel und Leitungen bezüglich ihrer Strombelastbarkeit und ihrem Spannungsfall
  • Richtige Wahl und Einstellung von Schutz- und Überwachungseinrichtungen
  • Schutz gegen direkte Berührung aktiver Teile
  • Schutzmaßnahmen bei indirekter Berührung entsprechend Errichtungsnormen
  • Überspannungs- und Überstromschutzeinrichtungen vorhanden und richtig eingestellt
  • Vorhandensein und Korrektheit von Schaltplänen, Beschriftungen der Stromkreise, Sicherungen und Schalter Betriebsanleitungen und –anweisungen
  • Vorhandensein von Einrichtungen der Unfallverhütung und Brandbekämpfung
  • Vorhandensein notwendiger Brandabschottungen
  • Sichere Trennung, Schutztrennung, Schutzisolierung von Kleinspannungen

Erproben und Messen

 
In der DIN VDE 0100 werden das Erproben und die Messungen gemeinsam und voneinander abhängig durchgeführt. Sollten Fehler festgestellt werden, müssen nach Behebung alle Erprobungs- und Messungsvorgänge noch einmal wiederholt werden. Beim Erproben von elektrischen Anlagen kommt die DIN VDE 0100-410 zum Einsatz. Dabei wird die Wirksamkeit von Schutz- und Meldeeinrichtungen nachgewiesen. Es darf keine Gefahr für Personen, Nutztieren oder Sachen bestehen.

 
Wenn bei der vorausgegangenen Besichtigung eine Funktion nicht einwandfrei nachgewiesen werden konnte, muss eine Erprobung stattfinden. Im Allgemeinen müssen Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs), Isolations-Überwachungsgeräte und Not-Aus-Schaltgeräte einer eingehenderen Prüfung unterzogen werden. Damit nicht nur das Funktionieren des Gerätes sondern auch entsprechende Schutzmaßnahmen überprüft werden, sind aufbauend auf die Erprobungen verschiedene Messungen notwendig.

 
Durch Messungen werden unter anderem die Funktion der Schutz- und Überwachungseinrichtungen sowie der elektrischen Anlagen insgesamt nachgewiesen. Vor jeder Inbetriebnahme muss laut DIN VDE 0100-600 eine Schutzleitermessung vollzogen und protokolliert werden.

 
Folgende Messungen sollten stattfinden:

  • Durchgängigkeit der Schutzleiter, der Verbindungen des Hauptpotentialausgleiches/Potentialausgleiches
  • den Nachweis des Isolationswiderstandes der elektrischen Anlage inkl. des Schutzes durch sichere Trennung bei SELV, PELV und Schutztrennung
  • Messung der Widerstände von isolierenden Fußböden und isolierenden Wänden
  • Prüfung von Fehlerstromschutzeinrichtungen
  • Ermittlung der Schleifenimpedanz
  • Ermittlung der Netzimpedanz
  • Spannungsmessung
  • Bestimmung der Drehfeldrichtung
  • Messung des Erdungswiderstandes/Erdübergangswiderstandes

Alle Messungen und Ergebnisse müssen dokumentiert und protokolliert werden. Zu diesem Zweck existieren vorgefertigte Prüfprotokolle zum Beispiel vom Messgerätehersteller. Alle Änderungen, Erweiterungen und Abweichungen müssen im Protokoll festgehalten werden. Im Anschluss an die Erstprüfung elektrischer Anlagen nach DIN VDE 0100, sind die Anlagen in regelmäßigen Abständen wiederholt zu prüfen. Nach bestandener Prüfung der elektrischen Anlage folgt die entsprechende Kennzeichnung mit einer VDE-Prüfplakette. Die Plaketten sind im Onlineshop der Brewes GmbH erhältlich.

 

Prüfplaketten nach VDE 0100

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