02.08.2018

Wenn die Meinungen des Elektro-Prüfers und des Unternehmers auseinandergehen

Prüfung elektrischer Betriebsmittel

In der Theorie ist die Lage eindeutig: der Arbeitgeber muss für einen sicheren Arbeitsplatz seiner Angestellten sorgen, indem er u.a. alle elektrischen Betriebsmittel auf ihre Sicherheit überprüfen lässt. Dafür wird eine befähigte Person beauftragt, die den E-Check durchführt und protokolliert. Damit erfüllt der Arbeitgeber die gesetzlichen Vorgaben und alle Beteiligten sind zufrieden.

 

Was aber passiert, wenn die Meinungen des Prüfers und Auftraggebers auseinandergehen?

Ist der Prüfer weisungsbefugt oder kann seine Bewertung lediglich als unabhängige Meinung betrachtet werden? Meinungsverschiedenheiten zwischen einem Elektroprüfer und dem Betreiber elektrischer Anlagen kommen in der Praxis oft vor. Deswegen ist es wichtig, informiert zu sein, wie in solchen Situationen vorzugehen ist.

 

Ein typisches Beispiel

Der Prüfer bemängelt an einer elektrischen Anlage die vorhandenen elektrischen Schutzmaßnahmen und fordert in seinem Abschlussbericht deren Nachrüstung.  Der Auftraggeber, d.h. Besitzer der elektrischen Anlage, ist aber dagegen und argumentiert damit, dass zum Zeitpunkt der Errichtung der Anlage die Schutzmaßnahmen noch keine Pflicht gewesen seien und es keine Übergangsfristen der alten VDE-Norm gäbe.

In diesem Fall muss die VEFK (Verantwortliche Elektrofachkraft) des Prüfdienstleisters, also eine vorgesetzte Person des Prüfers, aufgesucht werden. Die VEFK kann – wenn notwendig – eine andere Bewertung vornehmen. Auch die VEFK ist dem Anlagenbetreiber gegenüber nicht weisungsbefugt. Diese erneute Bewertung ist jedoch für den Auftraggeber verbindlich und wird protokolliert. Der Auftraggeber muss die festgestellten Mängel selbst bewerten und daraus eine betriebliche Schlussfolgerung ziehen.

Zurück zu unserem Beispiel: kommt die VEFK zu dem gleichen Ergebnis wie der Prüfer in der ersten Bewertungsrunde, muss der Anlagenbetreiber trotz alledem die elektrischen Schutzmaßnahmen nicht installieren lassen. Seine Entscheidung – dem Prüfergebnis der Elektrischen Fachkraft nicht zu folgen – muss er jedoch in der Gefährdungsbeurteilung begründen. Dabei muss er die Grundpflichten des Arbeitgebers berücksichtigen, die im Arbeitsschutzgesetz formuliert sind.

§3 ArbSchG besagt: „Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.“ (Quelle: https://arbschg.net/paragraph-3)

 

Weisungsbefugnis nein – Beachtung ja

Schlussfolgernd kann man sagen, dass die Elektrofachkraft zwar nicht weisungsbefugt ist, ihre Bewertung vom Auftraggeber aber sehr ernst zu nehmen ist. Der Arbeitgeber muss stets auf die Sicherheit achten und für eine ständige Verbesserung der gesundheitsschützenden Maßnahmen seiner Angestellten im Betrieb sorgen.

Sollte sich der Arbeitgeber gegen die Schutzmaßnahmen entscheiden, die die verantwortliche Elektrofachkraft oder der Elektro-Prüfer zur Mängelbeseitigung festgestellt hatte, so muss diese Entscheidung sehr gut in einer Gefährdungsbeurteilung begründet werden. Im Hinblick auf die Pflichten des Arbeitgebers müssen im Betrieb nicht nur die gesundheitsschützenden Maßnahmen eingeführt werden, die vom Gesetzgeber als Pflicht formuliert sind, sondern auch diejenigen, die der Arbeitgeber als sinnvoll zum Sicherheitsschutz seiner Angestellten erachtet. Somit trägt der Arbeitgeber zu einem noch sichereren Arbeitsplatz seiner Angestellten bei.

 

Um die erfolgten elektrischen Prüfungen vor Ort dokumentieren zu können, eignen sich: VDE-Prüfplaketten oder Prüfplaketten nach DGUV Vorschrift 3.

Beide Arten von Prüfplaketten finden Sie in unserem Brewes Shop.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.