10.11.2016

Wartung von Heizungsanlagen – Warm und sicher in den Winter

Gasbrennkessel-Installation für mehrere Wohnungen (CC BY-SA 3.0)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und der Winter steht in den Startlöchern. Während die Tage immer kürzer und dunkler werden, sinken auch die Temperaturen. Warme Schals, Mützen, gefrorene Autoscheiben und dampfende Schornsteine halten auf den Straßen Einzug. Besonders Letzteres sollte dazu anregen, sich über den Zustand der eigenen Heizungsanlage bewusst zu werden. Wie alt ist sie? Wann wurde sie zuletzt geprüft? Bin ich mir sicher, dass sie einwandfrei funktioniert? Haben Sie auf alle Fragen eine befriedigende Antwort? Nein? Dann ist es höchste Zeit eine Wartung an Ihrer Heizungsanlage durchführen zu lassen.

 

Wann muss ich aktiv werden?

 

Es sollte für jeden selbstverständlich sein, dass die eigene Heizungsanlage so sicher, wirtschaftlich und umweltfreundlich wie möglich arbeitet. Können Sie eine oder mehrere der folgenden Fragen mit „Ja“ beantworten, sollten Sie tätig werden.

  • Ist Ihre Heizungsanlage älter als 15 Jahre?
  • Hat Ihre Heizungsanlage offensichtliche Schäden?
  • Gibt es defekte Regler, Schalter, Displays? Macht die Anlage ungewöhnliche Geräusche?
  • Werden die Räume unterschiedlich warm?
  • Dauert es sehr lange bis die Räume warm werden?
  • Wurden Maßnahmen zur Energieeinsparung am Haus/Gebäude vorgenommen, jedoch die Heizungsanlage daraufhin nicht angepasst?
  • Hat sich der Wärmebedarf im Haus/Gebäude verändert? (z.B. durch eine neue Raumaufteilung)
  • Sind Ihre Heizkosten überdimensional hoch?

Welche Möglichkeiten der Prüfung gibt es?
Neben der ausführlichen Wartung und Instandhaltung, welche sich sowohl auf den sicheren Zustand, als auch auf die Energieeffizienz der Anlage beziehen, gibt es auch den sogenannten Heizungs-Check. Dieser umfasst ausschließlich die energetischen Aspekte der Anlage.

Welche Schritte beinhalten Inspektion und Wartung?

Die Inspektion umfasst u.a. folgende Schritte:

  • Allgemeine Zustandsüberprüfung
  • Sicht- und Funktionskontrolle (inkl. Sicherheits- und Regeleinrichtungen)
  • Überprüfung der brennstoff-¬ und wasserführenden Anlagenteile auf Dichtheit, sichtbare Korrosions-¬ und Alterungserscheinungen
  • Überprüfung der Zufuhr der notwendigen Verbrennungsluft bzw. des Verbrennungsluftverbundes
  • Überprüfung der Abgasführung auf Funktion und Sicherheit
  • Überprüfung des Wasserstandes und des Vordruckes der Membranausdehnungsgefäße
  • Überprüfung des Brenners einschließlich der Zünd-¬ und Überwachungseinrichtung
  • Überprüfung von Brennraum und Heizfläche auf Verschmutzung
  • Überprüfung der Beschaffenheit des Heizungswassers bei Verwendung von Inhibitoren
  • Überprüfung der Füllwasseraufbereitung, sofern der Einsatz gemäß aktuellem Regelwerk erforderlich ist
  • Überprüfung der Kondensatableitung einschließlich der Neutralisationseinrichtung
  • Überprüfung des Trinkwassererwärmers auf Temperatureinstellung, Dichtheit und Funktion
  • Überprüfung der Korrosionsschutzanode am Trinkwassererwärmer
  • Überprüfung der bedarfsgerechten Einstellung der Heizkreis¬, Speicherlade¬ und Zirkulationspumpen und ihrer Funktion
  • Endkontrolle der Inspektionsarbeiten durch Messung und Dokumentation der Mess- und Prüfergebnisse

Diese Schritte führt der Prüfer während der Wartung durch:

  • Reinigung von Kesselheizflächen, Brennerkomponenten, Brennraum, Heizkörpern und Heizflächen
  • Abgasmessung
  • Überprüfung der Heizungsregelung und Sicherheitseinrichtungen
  • Erneuerung von Verschleißteilen (falls notwendig)
  • Einstellung der Brenner
  • Einstellung der Nenn¬- und Teillastleistung und Überprüfung des hygienischen Brennverhaltens
  • Einstellen der Vorlauf- und Kesseltemperatur (auch bei neuen Heizungsanlagen)
  • Entlüften der Heizkörper und Auffüllen mit Wasser
  • Endkontrolle der Wartungsarbeiten durch Messung und Dokumentation der Ergebnisse

 

Welche Schritte beinhaltet der Heizungs-Check?

 

Der große Vorteil am Heizungs-Check ist, dass dieser genormt ist (nach DIN EN 15378). Das heißt, er wird immer nach demselben Schema durchgeführt und bietet somit neutrale, vergleichbare Ergebnisse. Die Fachkraft vergibt für alle geprüften Bestandteile „Problempunkte“. Je mehr Minuspunkte am Ende des Heizungs-Checks auf dem Protokoll stehen, desto ineffizienter arbeitet die Heizungsanlage.

Folgende Schritte gehören zum Heizungs-Check:

  • Messungen am Wärmeerzeuger
    • Abgasverlust bei Volllastbetrieb
    • Oberflächenverlust bei Volllastbetrieb
    • Ventilationsverlust (Wärmeverlust durch das Abgassystem 30 Sekunden nach Brennerschluss)
  • Visuelle Inspektion und Bewertung der Heizungsanlage
    • Wärmeerzeugung: Überdimensionierung, Brennwertnutzung, Kesseltemperaturregelung
    • Wärmeverteilung: Hydraulischer Abgleich, Heizungspumpe, Dämmung von Leitungen und Armaturen
    • Wärmeübergabe: Raumtemperaturregelung

Der Heizungs-Check dauert etwa eine Stunde. Der Prüfer erstellt einen Inspektionsbericht, welchen er im Anschluss direkt mit dem Auftraggeber auswertet.

Wie oft muss meine Heizungsanlage geprüft werden?

Es wird empfohlen jährlich eine Wartung an der Heizungsanlage durchführen zu lassen. Damit wird die Funktionsfähigkeit, Sicherheit und die energetische Qualität sichergestellt. Außerdem erhöht es die Lebensdauer der Anlagen. Manche Hersteller schreiben ebenfalls ein Prüfintervall von einem Jahr vor, um die Gewährleistung aufrecht zu erhalten.

Welche Vorteile bringt mir der Heizungs-Check bzw. die regelmäßige Wartung?

Kurz gesagt erhöht die regelmäßige Prüfung und Wartung die Sicherheit, Energieeffizienz und die Umweltverträglichkeit Ihrer Heizungsanlage.

Sicherheit – Lassen Sie Ihre Heizungsanlage regelmäßig warten, brauchen Sie keine Angst haben, dass zum Beispiel Gasleitungen defekt oder undicht sind. Bei geprüften Anlagen sind Gasunfälle nahezu unmöglich. Auch andere Sicherheitsmängel können ausgeschlossen werden.

Energieeffizienz – Sie verhindern, dass Ihr Geld zum Schornstein herausfliegt. Der Heizungs-Check und die Wartung sorgen dafür, dass Ihre Anlage auf dem neusten technischen Stand ist, alle Teile funktionstüchtig sind und die für Ihre Bedürfnisse idealen Einstellungen vorgenommen sind. So steigern Sie Ihre Energieeffizienz um bis zu 10% und können jährlich mehrere hundert Euro sparen.

Umweltverträglichkeit – Wie im Punkt „Energieeffizienz“ bereits beschrieben, befindet sich Ihre Heizungsanlagen nach dem Check und der Wartung im einwandfreien Zustand. Es wird keine unnötige Energie verschwendet und es werden keine Grenzwerte der Abgase überschritten. Damit wird der CO2 Ausschuss reduziert und Umwelt entlastet.

Welche Kosten erwarten mich durch den Heizungs-Check?

Für die professionelle Überprüfung und Wartung Ihrer Heizungsanlage müssen Sie mit Kosten zwischen 100 und 300 Euro rechnen (Heizungs-Check ist bereits ab 50 Euro erhältlich). Das klingt im ersten Moment vielleicht viel, es lohnt sich aber. Denn mit einer einwandfrei funktionierenden, sicheren und energieeffizienten Heizungsanlage können Sie Energiekosten sparen.

Hinweis: Hausbesitzer können 20% der Kosten über die Steuer absetzen. Lassen Sie sich dafür nur die Lohnkosten auf der Rechnung extra ausweisen.

Wie wird die Heizungsanlage gekennzeichnet?

Nach einer erfolgreich abgeschlossenen Wartung, sollte die Heizungsanlage entsprechend gekennzeichnet werden. Dazu empfiehlt sich der Einsatz von Prüfplaketten. Da keine gesetzliche Grundlage besteht, können universelle Prüfplaketten, etwa mit dem Aufdruck „Nächste Wartung“, „Nächste Inspektion“, „Nächster Prüftermin“ oder mit Beschriftungsfeldern „Geprüft am, durch, Nächster Prüftermin“, genutzt werden. Die Prüfplaketten helfen dem Besitzer der Heizungsanlage dabei, kommende Checks oder Prüfungen zeitlich besser einzuplanen und diese nicht zu vergessen.

Universelle Prüfplaketten
Universelle Prüfplaketten

Bildnachweis: commons.wikimedia.org | CC BY-SA 3.0

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