24.11.2015

Bereitstellung und Prüfung von Arbeitsmitteln im Lager

Oft wird unterschätzt, wie viele Arbeitsmittel im Lagerbereich zum Einsatz kommen. Intuitiv wird das Thema Arbeitsmittelüberwachung noch immer auf den Produktionsbereich beschränkt. Dass das ein Trugschluss ist, besagt die rechtlich verbindliche Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Die Betriebssicherheitsverordnung enthält nicht nur allgemeine Arbeitsschutz- und Gesundheitsanforderungen, sondern auch grundsätzliche Regelungen zur Bereitstellung, Prüfung und Benutzung von Arbeitsmitteln. Verantwortlich für die Bereitstellung und regelmäßige Prüfung ist der Arbeitgeber.

 
Ein Arbeitsmittel im Sinne der Verordnung reicht vom Hammer bis zur komplexen Fertigungsanlage und dient der Arbeitserleichterung und der Zeitersparnis.

Im Lager betrifft dies u.a. folgende Arbeitsmittel:

  • Transportwagen / -geräte
  • Lagerregale/ Regalanlagen
  • Verpackungsgeräte
  • Zählwaage
  • Scanner
  • Kleingeräte (Schere, Lineale, Messer, Handdrucker…) usw.

Wenn diese Arbeitsmittel neu beschafft werden, sollten die späteren Nutzer ebenfalls in den Beschaffungsprozess einbezogen werden. Dabei ist mit Sicht auf den späteren betriebsspezifischen Einsatz bereits bei der Planung eine erste Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Außerdem dürfen Arbeitsmittel nach der BetrSichV § 4 erst verwendet werden, nachdem der Arbeitgeber

  • eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt hat und dazu entsprechend dokumentierte Nachweise vorliegen,
  • die dabei ermittelten Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen hat und
  • festgestellt hat, dass die Verwendung der Arbeitsmittel nach dem Stand der Technik sicher ist. Der Stand der Technik ist in den jeweiligen Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) definiert

Die Sicherheit der Arbeitsmittel muss über deren gesamte Nutzungsdauer gewährleistet sein.

 
Anforderungen an bereitgestellte Arbeitsmitteln (im Lagerbereich) (BetrSichV § 5)

 
Der Arbeitgeber darf nur solche Arbeitsmittel zur Verfügung stellen und verwenden lassen, die bei vorgesehenem Einsatz für den Anwender sicher und nutzergerecht gestaltet sind. Dabei wird er nicht durch entsprechenden CE- oder GS-Kennzeichnungen von einer Prüfung entbunden.

 
Die vom Arbeitgeber bereitgestellten Arbeitsmittel sollen

  • für die jeweilige Art der Arbeit geeignet sein,
  • an die Einsatzbedingungen angepasst sein,
  • den vorhersehbaren Beanspruchungen Stand halten können und
  • die erforderliche, sicherheitsrelevante Ausrüstung besitzen.

Damit soll die Gefährdung durch ihre Verwendung so gering wie möglich gehalten werden. Sollte ein bedenkenloser Einsatz nicht möglich sein, muss der Arbeitgeber durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen für die Gesundheit der Mitarbeiter sorgen.

 
Mangelhafte Arbeitsmittel dürfen vom Arbeitgeber nicht bereitgestellt werden. Die Arbeitsmittel müssen allen geltenden Rechtsvorschriften über Sicherheit und Gesundheitsschutz entsprechen. Der Arbeitgeber muss dafür Verantwortung tragen, dass nur Arbeitsmittel verwendet werden, die er zur Verfügung gestellt hat oder deren Nutzung er ausdrücklich erlaubt hat.

 
Prüfung von Arbeitsmitteln

 
Grundsätzlich müssen alle Arbeitsmittel einer regelmäßigen Prüfung unterzogen werden. Dabei hängen die Prüffristen von der Häufigkeit der Nutzung und von der Beanspruchung der Arbeitsmittel ab.

 
Erforderliche Prüfungen nach § 14 BetrSichV

 

(1)    Arbeitsmittel, die vor erstmaliger Verwendung montiert werden müssen, sind vor der Inbetriebnahme einer Prüfung zu unterziehen. Folgende Punkte müssen dabei geprüft werden:
–    Kontrolle der vorschriftsmäßigen Montage / Installation
–    Kontrolle der sicheren Funktion des Arbeitsmittels
–    rechtzeitige Feststellung von Schäden
–    Überprüfung, ob erfolgte Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit wirksam sind

(2)    Arbeitsmittel müssen wiederkehrenden Prüfungen unterzogen werden, wenn durch äußere Einflüsse Schäden verursacht werden, die zu Gefährdungen der Beschäftigten führen können.

(3)    Arbeitsmittel müssen einer außerordentlichen Prüfung unterzogen werden, wenn Änderungen stattgefunden haben oder außergewöhnliche Ereignisse eingetreten sind, z.B. Unfälle.

 

Um einen besseren Überblick über die erforderlichen Prüfungen zu behalten, wird empfohlen, diese Prüfungen in einem Prüfplan zu dokumentieren. Darin enthalten sind Angaben zum Arbeitsbereich (Lager) und Angaben zum Prüfzyklus. Art und Umfang der Prüfung betreffen

  • Sichtkontrolle
  • Funktionsprüfung
  • Technische Prüfung
  • Steuerungsprüfung

Die Ergebnisse sind mindestens bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren. Auch bei einem Einsatz außerhalb des Unternehmens, sollte der Nachweis mitgeführt werden. Zur Vereinfachung werden Prüfplaketten direkt am Objekt angebracht. So ist für jeden direkt die letzte erfolgreich durchgeführte Prüfung oder zusätzlich der Zeitpunkt für die nächste erforderliche Prüfung erkenntlich.

 
Bei entsprechender Qualifikation des Arbeitnehmers können die Prüfungen vom Arbeitnehmer selbst durchgeführt werden. Beispielsweise kann der Anwender einer Leiter die Sichtprüfung selbst durchführen. Mehr zum Thema Sichtprüfung und Experteninspektion erfahren Sie im folgenden Beitrag: Regalprüfungen gem. Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV).

 
Nutzen der Prüfungen

 
Prüfungen haben den Vorteil, dass die Betriebssicherheit der Arbeitsmittel und dadurch auch die Sicherheit der Mitarbeiter gewährleistet werden kann. Außerdem werden Mängel rechtzeitig erkannt und können so schneller behoben werden. Einsatzfähigkeiten werden dadurch erhöht und Ausfallzeiten und Reparaturkosten gemindert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vermeidung von Unfällen durch regelmäßige Prüfungen.

 

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